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Kartoffel-Rose – Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden
Steckbrief, Bilder & Beschreibung des Baumes/Strauches sowie seiner essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit
Die Kartoffel-Rose ist ein äußerst robuster Zierstrauch aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae), der ursprünglich aus Ostasien stammt. In Mitteleuropa wurde sie massenhaft an Küsten, Straßenrändern und auf Mittelstreifen gepflanzt, da sie Salz, Wind und Trockenheit klaglos toleriert. Für Sammler ist sie aufgrund ihrer extrem großen, fleischigen Hagebutten kulinarisch hochinteressant. Aus Naturschutzsicht wird sie jedoch kritisch betrachtet, da sie sich als invasiver Neophyt über weitreichende Ausläufer rasenartig ausbreitet und sensible heimische Ökosysteme wie Küstendünen bedroht.
Informationskategorien zu diesem Baum/Strauch
Baum-Steckbrief „Kartoffel-Rose“
- Botanischer Name: Rosa rugosa
- Deutscher Name: Kartoffel-Rose
- Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
- Gattung: Rosen (Rosa)
- Andere Namen: Apfel-Rose (nicht zu verwechseln mit Rosa villosa), Japan-Rose, Kamtschatka-Rose
- Lebensdauer: Mehrjährig (Einzelsträucher meist 15 bis 80 Jahre alt, Bestände durch Ausläufer oft unsterblich)
- Wuchsform: Sommergrüner, dicht gedrungener Strauch
- Wuchshöhe: 1 bis 1,5 Meter
- Wurzelwerk: Weitreichend, neigt stark zur Bildung von unterirdischen Ausläufern (Rhizomen)
- Blütezeit: Juni bis September
- Blütenstand: Einzelblüten oder in lockeren Gruppen
- Fruchtreife: Spätsommer bis Herbst
- Boden/Standort: Extrem anspruchslos, salztolerant; besiedelt Dünen, Straßenränder, Hecken und Parkanlagen.
- Hauptinhaltsstoffe: Vitamin C (sehr hoher Gehalt), Pektin, Fruchtsäuren, Gerbstoffe, Flavonoide, ätherisches Öl.
- Giftigkeit: Fruchtfleisch und Blüten sind für den Menschen ungiftig. Die Samen (Nüsschen) enthalten Blausäure-Glykoside und dürfen roh nicht zerkaut werden.
Bilder & Fotos „Kartoffel-Rose“
Heimische Bäume & Sträucher bestimmen mit Fotos (©) von pflanzen-vielfalt.NET. Die folgenden Bilder/Fotos zeigen dir die Pflanze im Jahres- bzw. Lebensverlauf und ermöglichen eine Bestimmung über den gesamten Zeitraum.
Bestimmung/Beschreibung des Baumes
Die Kartoffel-Rose wächst als dicht verzweigter, oft flächendeckender Strauch. Ihr Name leitet sich von dem auffälligsten Bestimmungsmerkmal ab: den tief geaderten, runzeligen Blättern, die optisch stark an Kartoffellaub erinnern.
Vegetative Merkmale (Stamm, Rinde, Blätter)
- Triebe & Stacheln: Die Zweige sind auffällig dicht mit starken, geraden Stacheln und feinen, bürstenartigen Stachelborsten besetzt.
- Blätter: Sie stehen wechselständig, sind 8 bis 15 cm lang und unpaarig gefiedert (5 bis 9 Einzelblättchen).
- Fiederblättchen (Das Namensmerkmal): Die sattgrünen Blättchen haben eine extrem stark strukturierte, runzelige Oberfläche (da die Blattadern tief eingesenkt sind). Die Unterseite ist meist hellgrün bis graugrün behaart. Der Blattrand ist gesägt.
Generative Merkmale (Blüte & Frucht)
- Blüte: Die radiärsymmetrischen, fünfzähligen Blüten sind mit 6 bis 8 cm Durchmesser ungewöhnlich groß. Die Kronblätter leuchten intensiv dunkelrosa bis magentarot, seltener reinweiß. Sie duften stark und blühen im Vergleich zu heimischen Wildrosen oft bis in den Herbst hinein (Remontieren).
- Früchte (Hagebutten): Sie sind abgeflacht-kugelig (wie winzige Tomaten oder Äpfel), sehr dick (2 bis 2,5 cm) und fleischig. Zur Reife leuchten sie intensiv ziegelrot bis orangerot.
Verwechslungsgefahren:
- Hunds-Rose (Rosa canina): Hat glatte, nicht runzelige Blätter und deutlich kleinere, schmal-eiförmige Hagebutten.
- Apfel-Rose (Rosa villosa): Ihre Früchte sind ebenfalls sehr groß, aber dicht mit weichen Stacheln (Borsten) besetzt. Die Früchte der Kartoffel-Rose sind stets glatt.
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Heilwirkung & medizinische Nutzung
Heilpflanzen-Steckbrief:
- Droge: Hagebuttenschalen (Rosae pseudo-fructus)
- Inhaltsstoffe: Vitamin C (Ascorbinsäure, extrem hoch), Pektine, Fruchtsäuren, Gerbstoffe
- Monographie-Status: Positive Monographie der ESCOP (HMPC: nicht bearbeitet; Kommission E: Nullmonographie).
In der evidenzbasierten Phytotherapie werden die zerkleinerten, getrockneten Schalen der Hagebutte vor allem als Teeaufguss geschätzt. Der extrem hohe Vitamin-C-Gehalt dient der Prophylaxe und unterstützenden Behandlung von Erkältungskrankheiten. Zudem haben die Fruchtsäuren und Pektine einen leicht harntreibenden (diuretischen) und stuhlregulierenden Effekt, was bei leichten Harnwegsinfekten nützlich ist.
In der Volksheilkunde wird Hagebuttentee traditionell zur Durchspülungstherapie bei rheumatischen Erkrankungen, Gicht und Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt. Die Früchte der Kartoffel-Rose können für diese Zwecke genau wie die der heimischen Hunds-Rose verwendet werden.
👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Rinde, Blätter, Blüten und Früchte vieler Bäume und Sträucher werden seit Langem in der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) und in der Volksheilkunde verwendet. Auf diesen Seiten erfährst du, was über ihre Anwendung bekannt ist – und wie gut es belegt ist: Steht eine Monographie (HMPC oder Kommission E) dabei, wurde die Anwendung fachlich bewertet. Formulierungen wie „traditionell“, „in der Volksheilkunde“ oder „der Überlieferung nach“ bedeuten, dass ein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis fehlt. Angaben zur Homöopathie beschreiben nur die Verwendung, keine nachgewiesene Wirkung.
Diese Informationen sind keine medizinische Beratung und ersetzen nicht den Rat von Ärztin, Arzt oder Apotheke. Selbst gesammelte Pflanzenteile sind keine geprüften Arzneimittel: Ihr Wirkstoffgehalt schwankt, und Verwechslungen sind möglich. In Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kindern, bei Vorerkrankungen und bei Einnahme von Medikamenten wende Heilpflanzen nur nach ärztlicher Rücksprache an.
Weiterführende Fachliteratur findest du in meiner Buchtipp-Ecke „Medizin & Heilung“. Ein bewährtes Nachschlagewerk ist „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. Er beschreibt die Pflanzen aus Sicht der Phytotherapie und der Volksheilkunde und geht auch auf die Homöopathie ein.
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Essbarkeit & Verwendung in der Küche
Kulinarisches Profil: Für Sammler ist die Kartoffel-Rose ein absoluter Gewinn! Ihre extrem großen, fleischigen Hagebutten sind sehr ergiebig und schmecken fruchtig, süß-säuerlich. Auch ihre duftenden Blütenblätter sind hervorragend nutzbar.
- Früchte (Herbst): Aufgrund ihrer enormen Größe und Dickfleischigkeit lässt sich das Mus (Hagebuttenmark) viel leichter und ergiebiger gewinnen als bei kleinen Wildrosen. Es eignet sich fantastisch für Konfitüren, zur Füllung von Gebäck (Krapfen), für Fruchtweine, Liköre oder für den klassischen Hagebuttentee (getrocknete Schalen).
- Blüten (Sommer): Die stark duftenden, großen rosa Kronblätter sind ideal für die Herstellung von Rosengelee, Rosensirup, Rosenwasser oder zum Kandieren als exquisite Süßspeise.
- Blätter: Ganz junge Blätter wurden früher vereinzelt für Tees oder als herbes Würzkraut genutzt, sind kulinarisch heute aber bedeutungslos.
Die eigentlichen Samen (die behaarten Nüsschen im Inneren der Scheinfrucht) müssen bei jeglicher Verarbeitung akribisch entfernt werden. Ihre Widerhaken-Härchen reizen die Schleimhäute stark (Juckpulver-Effekt). Zudem enthalten die Samen cyanogene Glykoside (spalten im Körper Blausäure ab) und dürfen roh nicht zerkaut werden. Für Hagebuttenmark kocht man die halbierten, entkernten Früchte weich und passiert sie durch ein feines Sieb (Flotte Lotte).
👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Sammle und iss nur Blüten, Früchte und Blätter von Bäumen und Sträuchern, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst. Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt auf eigene Gefahr. Bei Verdacht auf eine Vergiftung sofort Hilfe holen – in Österreich Rettung 144 oder Vergiftungsinformationszentrale 01 406 43 43, in der Schweiz 145, in Deutschland 112 oder den Giftnotruf deines Bundeslandes.
So sammelst du richtig: Sammle abseits stark befahrener Straßen, gespritzter Felder und Hundewiesen, wasche alles gründlich und nimm nur so viel, wie du brauchst. Geschützte Pflanzen sind tabu: Beachte die Naturschutzbestimmungen deines Bundeslandes, und grabe Wurzeln nur mit Erlaubnis des Grundeigentümers aus. Schäle keine Rinde von lebenden Bäumen und brich keine Leittriebe ab. Probiere neue Pflanzen zuerst in kleinen Mengen – vor allem, wenn du zu Allergien neigst.
Rezepte findest du hier bewusst nicht. Für die Küche empfehle ich dir diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.
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Eigenschaften & Verwendung des Holzes
Holzeigenschaften: Rosenholz ist generell sehr schwer, dicht, extrem hart und weist eine schöne Maserung auf.
- Nutzung & Handwerk: Da die Kartoffel-Rose nur als Strauch mit verhältnismäßig dünnen Trieben wächst, liefert sie keine verwertbaren Holzmengen. Allenfalls extrem dicke Wurzelstöcke oder Aststücke werden vereinzelt in der Kunsttischlerei (für kleine Intarsien oder Drechseleien) verwendet. Eine wirtschaftliche oder energetische Nutzung (Brennholz) existiert nicht.
Geschichtliches zu diesem Baum
Ein ungeliebter Überlebenskünstler (Neophyt)
Die Kartoffel-Rose ist das beste Beispiel dafür, wie eine gut gemeinte Anpflanzung zum ökologischen Problem werden kann. Ursprünglich aus Asien stammend, wurde sie in Europa ab dem 19. Jahrhundert massenhaft an Küsten (besonders an Nord- und Ostsee) gepflanzt, um mit ihren weitreichenden Wurzeln den lockeren Dünensand vor Erosion zu schützen. Zudem ist sie völlig unempfindlich gegenüber Streusalz und Abgasen, was sie zum perfekten Mittelstreifen-Gehölz an Autobahnen machte. Das Problem: Die Pflanze wächst so dicht und breitet sich über Ausläufer so aggressiv aus, dass sie seltene heimische Dünenpflanzen komplett überwuchert und verdrängt. Im Naturschutz wird sie daher heute als invasiver Neophyt eingestuft und oft mühsam bekämpft.
Eine duftende Unterscheidung für Bienen
Die Kartoffel-Rose ist für Insekten äußerst attraktiv. Obwohl sie keinen Nektar produziert, bietet sie Hummeln, Bienen und Käfern ein überreiches Pollenangebot. Forschungen haben gezeigt, dass Bienen einen erstaunlich feinen Geruchssinn besitzen: Sie können anhand des spezifischen Pollendufts exakt zwischen der asiatischen Kartoffel-Rose (Rosa rugosa) und der heimischen Hunds-Rose (Rosa canina) unterscheiden.
Die Rose, die fast alles kann
Was die Kartoffel-Rose für Gärtner so attraktiv macht, ist ihre extreme Widerstandsfähigkeit gegenüber den typischen Rosenkrankheiten. Während viele Edelsorten im Garten regelmäßig unter Sternrußtau oder Mehltau leiden, ist die Kartoffel-Rose von Natur aus gegen die meisten Pilzkrankheiten immun. Aus diesem Grund wurde sie im 20. Jahrhundert intensiv in die Zucht neuer, robuster Gartenrosen eingekreuzt.
Videobeitrag zu „Kartoffel-Rose“
👉 Tipp: Im YouTube-Kanal von pflanzen-vielfalt.NET findest du eine Menge Videos, die die Bestimmung von vielen weiteren heimischen (essbaren) Wildkräutern, Bäumen und Sträuchern erleichtern.
Quellen und weitere Informationen
- Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen – von Steffen Guido Fleischhauer
- Essbare Wildpflanzen – 200 Arten bestimmen und verwenden
- Kosmos-Baumführer – 370 Bäume und Sträucher (Mitteleuropa)
- de.wikipedia.org – voll mit Baum & Strauch-Wissen
- www.biolib.de (Illustrationen von Bäumen & Sträuchern)
- www.floraweb.de – Botanikseite vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über Bäume und Sträucher
Mehr essbare & giftige Bäume & Sträucher
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