Zaun-Wicke – Bestimmen, sammeln und verwenden
Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit
Die Zaun-Wicke (Vicia sepium) ist eine filigrane und ausdauernde Kletterpflanze, die sich mit ihren feinen Ranken elegant an Hecken, Zäunen und in Waldsäumen emporarbeitet. Als Angehörige der Familie der Hülsenfrüchtler trägt sie durch ihre Symbiose mit stickstofffixierenden Knöllchenbakterien aktiv zur Bodenverbesserung bei. Für Ameisen, Schmetterlinge und Hummeln ist sie eine wichtige Nahrungsquelle, für den Menschen ist sie jedoch roh giftig und erfordert bei kulinarischer Nutzung sorgfältige Vorbereitung.
Informationskategorien zu dieser Wildpflanze
Wildpflanzen-Steckbrief „Zaun-Wicke“
- Botanischer Name: Vicia sepium
- Deutscher Name: Zaun-Wicke
- Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
- Gattung: Wicken (Vicia)
- Andere Namen: Duft-Wicke, Garten-Wicke, Edel-Wicke
- Lebensdauer: Ausdauernd (mehrjährig)
- Wuchsform: Krautig, rankend und kletternd
- Wuchshöhe: 30 bis 60 cm
- Wurzelwerk: Unterirdische, weit kriechende Ausläufer
- Blütezeit: Mai bis Juni (vereinzelt bis August)
- Blütenstand: Kurze, 2- bis 4-blütige Trauben in den Blattachseln
- Fruchtreife: Ab Juni
- Boden/Standort: Nährstoff- und stickstoffreiche, basenhaltige Böden; Waldsäume, Hecken, Fettwiesen und Wegränder
- Hauptinhaltsstoffe: Flavonoide (Kämpferol, Quercetin), Gerbstoffe, Asparagin; in den Samen hitzelabile Lektine und Blausäureglykoside
- Giftigkeit: Im rohen Zustand für den Menschen leicht giftig bis giftig (besonders die Samen).
Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze
Die Zaun-Wicke präsentiert sich als weich behaarte bis kahle, frischgrüne Kletterpflanze, die durch ihre gefiederten Blätter mit endständigen Ranken und den in den Blattachseln sitzenden Schmetterlingsblüten auffällt.
Vegetative Merkmale (Stängel, Wurzel & Blätter)
- Stängel: Aufrecht kletternd, kantig, weich und meist unverzweigt. Er ist entweder kahl oder nur sehr zart behaart.
- Blätter: Die 5 bis 10 cm langen, wechselständigen Blätter sind gefiedert und bestehen aus 4 bis 8 Paaren eiförmiger bis elliptischer Fiederblättchen. An der Spitze des Blattes laufen sie in eine oft verzweigte Wickelranke aus.
- Nebenblätter: Auffällig sind die kleinen, halbpfeilförmigen Nebenblätter am Blattgrund. Sie besitzen auf der Unterseite kleine purpurbraune Flecken, die als Nektarien (Zuckerdrüsen) fungieren.
Generative Merkmale (Blüte & Frucht)
- Blüten: Typische, zygomorphe Schmetterlingsblüten (12 bis 15 mm lang), die meist zu zweit bis viert in den Achseln der oberen Blätter stehen. Die Farbe reicht von rotviolett über ein trübes Blau bis selten zu reinem Weiß. Die sogenannte „Fahne“ (das obere Blütenblatt) ist dunkelrotviolett gestreift.
- Früchte: Längliche, 2 bis 3,5 cm lange Hülsenfrüchte, die zunächst behaart sind und im reifen Zustand kahl und glänzend schwarz werden.
- Samen: Kugelig (3 bis 4 mm groß), je nach Reifegrad gelblich, rötlich, grau oder braun, oft dunkel gefleckt.
Verwechslungsgefahren:
- Saat-Wicke (Vicia sativa): Die Blüten sitzen meist nur einzeln oder paarweise fast ungestielt in den Blattachseln und sind in der Regel leuchtender purpurrot.
- Schmalblättrige Wicke (Vicia angustifolia): Besitzt, wie der Name andeutet, deutlich schmalere (linealische) Fiederblättchen.
- Vertreter der Platterbsen (Lathyrus spp.): Diese haben oft geflügelte Stängel, meist weniger Fiederblättchen-Paare und ihre Nebenblätter sind in der Regel deutlich größer.
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Heilwirkung & medizinische Nutzung
Heilpflanzen-Steckbrief:
- Droge: Keine etablierte Heilpflanzendroge.
- Inhaltsstoffe: Flavonoide, Gerbstoffe.
- Monographie-Status: Keine Bearbeitung durch HMPC oder Kommission E.
Die Zaun-Wicke stellt eine botanische Besonderheit dar, da sie – im Gegensatz zu fast allen anderen heimischen Wildpflanzen – weder in der modernen, evidenzbasierten Phytotherapie noch in der traditionellen Volksheilkunde eine nachweisbare Verwendung findet. Es gibt keine gesicherten medizinischen Indikationen für diese Pflanze, weshalb sie von einer therapeutischen Nutzung völlig ausgeschlossen ist.
👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Die Nutzung von Wild- und Wiesenkräutern ist ein zentraler Bestandteil der Phytotherapie und findet auch in der Homöopathie Anwendung. Auf diesen Seiten erhältst du einen fundierten Überblick über die botanischen Eigenschaften und die traditionelle Verwendung dieser Pflanzen. Die bereitgestellten Informationen dienen jedoch ausschließlich der neutralen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
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Essbarkeit & Verwendung in der Küche
Kulinarisches Profil: Die Zaun-Wicke ist keine klassische Speisepflanze und kann nur nach strengen Verarbeitungsprozessen als würzendes Wildgemüse genutzt werden. Sie verlangt Fachwissen in der Zubereitung.
- Blätter & Triebspitzen (Frühjahr): Nur sehr junge, zarte Triebe können nach dem Durchgaren (Kochen/Dünsten) in Mischgemüsegerichten verwendet werden. Roh sollten sie nur in homöopathischen Dosen als Würze dienen.
- Blüten (Mai bis Juni): In geringsten Mengen als rohe essbare Streudekoration für Salate tauglich. Bei Hitzeeinwirkung verblassen sie.
- Samen (Sommer): Sehr stärkereich und im gekochten Zustand mit einem bohnenartigen Geschmack. Sie sind jedoch mit Vorsicht zu genießen und zwingend vorzubehandeln.
Die Zaun-Wicke (insbesondere Samen und Keimlinge) ist roh leicht giftig bis giftig. Sie enthält hitzelabile Lektine (Toxalbumine) und Blausäureglykoside, die der Pflanze als natürlicher Fraßschutz dienen. Ein Verzehr unvorbereiteter Pflanzenteile führt zu massiven Magen-Darm-Beschwerden.
Pflicht-Zubereitung: Sollen Samen oder nennenswerte Mengen Kraut verzehrt werden, müssen diese zwingend über Nacht in Wasser eingeweicht werden. Das Einweichwasser ist wegzuschütten! Anschließend müssen die Teile gründlich und langandauernd in frischem Salzwasser gekocht werden. Das Kochwasser ebenfalls entsorgen.
👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die hier aufgeführten Anwendungen stellen lediglich einen Auszug aus der vielfältigen Nutzungshistorie dieser Pflanzen dar. Mein Ziel ist es, dir fundierte und leicht verständliche botanische Grundlagen zu vermitteln. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.
Da ich auf dieser Seite bewusst auf detaillierte Rezepturen verzichte, empfehle ich dir für die praktische kulinarische Umsetzung diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.
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Geschichtliches zu dieser Wildpflanze
Nektarraub durch Erdhummeln
Die Blüten der Zaun-Wicke sind tief und röhrenförmig. Der Nektar am Blütengrund ist eigentlich nur für langrüsselige Insekten erreichbar, die bei ihrem Besuch den Pollen aufnehmen und die Pflanze bestäuben. Kurzrüsselige Insekten wie die Erdhummel haben jedoch eine clevere, wenn auch „illegale“ Taktik entwickelt: Sie begehen Nektarraub. Mit ihren scharfen Mundwerkzeugen beißen sie die Blüte von der Seite auf, um direkt an den Nektar zu gelangen, ohne die Blüte zu bestäuben. Diese seitlichen Einbruchslöcher werden danach oft auch von Honigbienen dankend genutzt.
Der Ameisen-Magnet: Extraflorale Nektarien
Die Zaun-Wicke belohnt Insekten nicht nur in der Blüte. An der Unterseite ihrer Nebenblätter befinden sich sogenannte extraflorale Nektarien (Zuckerdrüsen außerhalb der Blüte). Besonders an feuchtwarmen Tagen produziert die Pflanze dort rege zuckerhaltigen Saft. Dies zieht Ameisen magisch an. Die Ameisen patrouillieren auf der Pflanze und wehren im Gegenzug für diese kostenlose Mahlzeit Fressfeinde der Wicke (wie zum Beispiel Schmetterlingsraupen) effektiv ab.
Die tastenden Wickelranken (Thigmotropismus)
Um an das benötigte Sonnenlicht zu gelangen, nutzt die Zaun-Wicke rankende Blattspitzen, die aus zwei morphologisch umgewandelten Fiederblättchen bestehen. Diese Ranken führen beständig kreisende Suchbewegungen aus. Stoßen sie auf ein Hindernis – etwa einen Grashalm oder einen Ast – reagiert das pflanzliche Gewebe auf den Berührungsreiz und windet sich spiralig um die Stütze. Diese faszinierende, durch Berührung ausgelöste Bewegungsfähigkeit nennt die Botanik Thigmotropismus.
Videobeitrag zu „Zaun-Wicke“
👉 Tipp: Im YouTube-Kanal von pflanzen-vielfalt.NET findest du eine Menge Videos, die die Bestimmung von vielen weiteren heimischen (essbaren) Wildkräutern, Bäumen und Sträuchern erleichtern.
Quellen und weitere Informationen
- Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen – von Steffen Guido Fleischhauer
- Essbare Wildpflanzen – 200 (essbare & giftige) Arten bestimmen und verwenden
- de.wikipedia.org – voll mit Wildkräuter & Wildpflanzen-Wissen
- www.biolib.de (Illustrationen von Wildkräutern und anderen Pflanzen)
- www.floraweb.de – Botanikseite vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über essbare/giftige Wildpflanzen
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