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Breitblättriger Thymian – Bestimmen, sammeln und verwenden

Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit

Der Breitblättrige Thymian (Thymus pulegioides), oft einfach auch Quendel genannt, ist ein aromatisch duftender, heimischer Halbstrauch aus der Familie der Lippenblütler. Als wilder Verwandter des Echten Thymians überzieht er sonnige Trockenrasen und magere Böschungen im Sommer mit rosa bis purpurroten Blütenteppichen. Er ist nicht nur ein unverzichtbarer Nektarspender für Schmetterlinge und Bienen, sondern auch eine wertvolle, milde Heil- und Gewürzpflanze für die Wildkräuterküche.

Wildpflanzen-Steckbrief „Breitblättriger Thymian“

  • Botanischer Name: Thymus pulegioides
  • Deutscher Name: Breitblättriger Thymian
  • Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
  • Gattung: Thymiane (Thymus)
  • Andere Namen: Feld-Thymian, Quendel, Wilder Thymian, Arznei-Thymian
  • Lebensdauer: Ausdauernd (mehrjährig)
  • Wuchsform: Halbstrauch (am Grund verholzt)
  • Wuchshöhe: 5 bis 25 cm (selten bis 40 cm)
  • Wurzelwerk: Tiefe Pfahlwurzel (bis 1 Meter tief)
  • Blütezeit: Juni bis Oktober
  • Blütenstand: Verlängerte oder kopfige Quirle
  • Fruchtreife: August bis November
  • Boden/Standort: Frische bis trockene, nährstoffarme, meist kalkarme Sand-, Stein- oder Lehmböden. Vollsonnig (Trockenrasen, Felsen, Böschungen, Kiesgruben).
  • Hauptinhaltsstoffe: Ätherisches Öl (Thymol, Carvacrol, Linalool), Gerbstoffe (Rosmarinsäure), Flavonoide
  • Giftigkeit: Für den Menschen in allen Pflanzenteilen ungiftig.
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Bilder & Fotos „Breitblättriger Thymian“

Wildpflanzen & Wildkräuter bestimmen mit Fotos (©) von pflanzen-vielfalt.NET. Die folgenden Bilder/Fotos zeigen dir die Pflanze im Jahres- bzw. Lebensverlauf und ermöglichen eine Bestimmung über den gesamten Zeitraum.

Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze

Der Breitblättrige Thymian ist eine niedrig wachsende, kriechende bis aufsteigende Pflanze, die vor allem durch ihren starken, aromatischen Geruch auffällt, sobald man leicht über die Blätter streicht.

Vegetative Merkmale (Stängel, Blätter, Wurzel)

  • Stängel: Die Stängel sind scharf vierkantig und oft rötlich überlaufen. Eine Besonderheit: Nur die vier Kanten (Ecken) sind behaart, die Flächen dazwischen sind kahl. Am Grund ist der Stängel schwach verholzt (Halbstrauch).
  • Blätter: Die gegenständig angeordneten Blättchen sind für einen Thymian relativ „breit“ (eiförmig bis elliptisch). Sie sind meist dünn, behaart oder kahl. Auf der Blattunterseite sind winzige Drüsen als kleine Punkte erkennbar, in denen das ätherische Öl sitzt. Im Winter oder bei starker Sonneneinstrahlung verfärben sich die Blätter oft schützend dunkelrot.

Generative Merkmale (Blüte & Frucht)

  • Blüte: Die kleinen, lippenförmigen Blüten sitzen dicht gedrängt in kugeligen bis walzenförmigen Köpfchen am Stängelende. Die Krone ist leuchtend purpurfarben bis rosarot.
  • Frucht & Samen: Es bilden sich kleine, vierteilige Klausenfrüchte (Nüsschen). Diese sind mit einem winzigen Ölanhängsel (Elaiosom) versehen, um Ameisen anzulocken.

Verwechslungsgefahren:

  • Sand-Thymian (Thymus serpyllum): Besitzt einen rundum (nicht nur an den Kanten) behaarten Stängel und wächst noch flacher kriechend. (Für den Menschen ebenfalls essbar und als Heilpflanze nutzbar).
  • Frühblühender Thymian (Thymus praecox): Ähnlich, blüht aber früher. Auch bei ihm ist der Stängel meist rundum behaart. (Essbar).
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Heilwirkung & medizinische Nutzung

Heilpflanzen-Steckbrief:

  • Droge: Serpylli herba (Quendelkraut)
  • Inhaltsstoffe: Ätherisches Öl (bis 0,6 %, meist Carvacrol-betont), Lamiaceen-Gerbstoffe (Rosmarinsäure), Flavonoide
  • Monographie-Status: Positive Monographie der Kommission E (Quendelkraut).

Der Breitblättrige Thymian (in der Heilkunde meist unter dem Sammelbegriff „Quendel“ geführt) ist eine offiziell anerkannte Heilpflanze der Kommission E. Die evidenzbasierte Phytotherapie empfiehlt Aufgüsse (Tees) aus dem getrockneten Kraut innerlich bei Katarrhen (Entzündungen) der oberen Luftwege. Die enthaltenen ätherischen Öle wirken leicht krampflösend auf die Bronchien und antimikrobiell, wenngleich die Wirkung milder ausfällt als beim kultivierten Echten Thymian (Thymus vulgaris), da der Gesamtgehalt an ätherischem Öl geringer ist.

In der Volksheilkunde wird der Quendel aufgrund seiner verdauungsfördernden Gerbstoffe und Bitterstoffe zudem häufiger als der Echte Thymian bei leichten Magen-Darm-Störungen, Blähungen und Appetitlosigkeit eingesetzt. Äußerlich angewendet dienen Quendelbäder traditionell der Entspannung bei Erkältungskrankheiten.

👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Viele Wildpflanzen werden seit Langem in der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) und in der Volksheilkunde verwendet. Auf diesen Seiten erfährst du, was über ihre Anwendung bekannt ist – und wie gut es belegt ist: Steht eine Monographie (HMPC oder Kommission E) dabei, wurde die Anwendung fachlich bewertet. Formulierungen wie „traditionell“, „in der Volksheilkunde“ oder „der Überlieferung nach“ bedeuten, dass ein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis fehlt. Angaben zur Homöopathie beschreiben nur die Verwendung, keine nachgewiesene Wirkung.

Diese Informationen sind keine medizinische Beratung und ersetzen nicht den Rat von Ärztin, Arzt oder Apotheke. Selbst gesammelte Kräuter sind keine geprüften Arzneimittel: Ihr Wirkstoffgehalt schwankt, und Verwechslungen sind möglich. In Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kindern, bei Vorerkrankungen und bei Einnahme von Medikamenten wende Heilpflanzen nur nach ärztlicher Rücksprache an.

Weiterführende Fachliteratur findest du in meiner Buchtipp-Ecke „Medizin & Heilung“. Ein bewährtes Nachschlagewerk ist „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. Er beschreibt die Pflanzen aus Sicht der Phytotherapie und der Volksheilkunde und geht auch auf die Homöopathie ein.

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Essbarkeit & Verwendung in der Küche

Kulinarisches Profil: Der Breitblättrige Thymian ist ein herausragendes Wildgewürz. Sein Aroma ist typisch thymianartig, herb-würzig, jedoch etwas milder und blumiger als der strenge Küchen-Thymian.

  • Blätter & Triebspitzen (Mai bis September): Die frischen oder getrockneten Triebe sind ein exzellentes Gewürz. Sie machen fette und schwere Speisen besser verdaulich und passen hervorragend zu Wild, Lamm, Geflügel, mediterranem Gemüse, in Kräuterquark oder als aromatisierender Zusatz für Kräuteressig und -öle. Für Grüne Smoothies sind sie aufgrund der Würzstärke nur in sehr kleinen Mengen als aromatische Nuance geeignet.
  • Blüten (Juni bis Oktober): Die Blüten schmecken etwas milder und süßlicher als die Blätter. Sie eignen sich perfekt als duftende und farbenfrohe Dekoration für Salate, Kräuterbutter oder pikante Aufstriche.

👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Sammle und iss nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst. Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt auf eigene Gefahr. Bei Verdacht auf eine Vergiftung sofort Hilfe holen – in Österreich Rettung 144 oder Vergiftungsinformationszentrale 01 406 43 43, in der Schweiz 145, in Deutschland 112 oder den Giftnotruf deines Bundeslandes.

So sammelst du richtig: Sammle abseits stark befahrener Straßen, gespritzter Felder und Hundewiesen, wasche alles gründlich und nimm nur so viel, wie du brauchst. Geschützte Pflanzen sind tabu: Beachte die Naturschutzbestimmungen deines Bundeslandes, und grabe Wurzeln nur mit Erlaubnis des Grundeigentümers aus. Probiere neue Pflanzen zuerst in kleinen Mengen – vor allem, wenn du zu Allergien neigst.

Rezepte findest du hier bewusst nicht. Für die Küche empfehle ich dir diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.

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Geschichtliches zu dieser Wildpflanze

Ein Überlebenskünstler im Trockenstress

Als Pflanze trockener, vollsonniger Hänge hat der Breitblättrige Thymian (Halbstrauch) eine Reihe raffinierter Anpassungen an Trockenheit und Hitze entwickelt. Seine Blätter sind klein und ledrig, was die Verdunstungsfläche minimiert. In winzigen, tief eingesenkten Drüsenschuppen produziert die Pflanze ätherische Öle, die sie bei Hitze ausdünstet. Diese ätherische Duftwolke legt sich wie ein schützender, isolierender Film um das Blatt und reduziert den Wasserverlust. Gleichzeitig wächst die Pflanze, obwohl sie oberirdisch kaum 20 cm hoch wird, als extremer Tiefwurzler: Ihre Pfahlwurzel dringt bis zu einem Meter tief in Felsspalten und Sandboden ein, um an verborgene Wasserreserven zu gelangen. Im Winter schützt sich der Quendel vor Frost und Kahlfrost (Sonne ohne Schneedecke), indem er rote Schutzpigmente (Anthocyane) in die Blätter einlagert.

Ameisen als treue Verbreiter (Myrmekochorie)

Bei der Ausbreitung seiner winzigen Nüsschen verlässt sich der Quendel auf Ameisen. An jedem Samen befindet sich ein kleines, nahrhaftes Anhängsel (Elaiosom), das reich an Fetten und Zucker ist. Ameisen schleppen die Samen in ihren Bau, verfüttern das begehrte Anhängsel an die Brut und entsorgen den unbeschadeten, noch immer keimfähigen Samen anschließend auf den nährstoffreichen Abfallhaufen rund um ihr Nest – ein perfekter Startplatz für eine neue Thymianpflanze. Daher findet man dichte Quendel-Polster in der Natur sehr häufig direkt auf oder in unmittelbarer Nähe von Ameisenhügeln.

Videobeitrag zu „Breitblättriger Thymian“

Breitblättriger Thymian (Thymus pulegioides)

Weitere Bestimmungsvideos für den Thymian/Quendel findest du auf dem YouTube-Kanal von pflanzen-vielfalt.NET. Begleite dieses Wildkraut durch die Jahreszeiten und lerne es anhand der Blätter, Blüten und Früchte ganzjährig zu bestimmen. Auch viele weitere heimische (essbare) Wildpflanzen, Bäume und Sträucher werden für Bestimmung und Nutzung näher gebracht.

Quellen und weitere Informationen

Mehr essbare & giftige Wildkräuter & Pflanzen

Wildpflanzen und Kräuter Lexikon - Seiten A-Z Übersicht
Wildpflanzen A-Z

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