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Wiesen-Platterbse – Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden
Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit
Die Wiesen-Platterbse ist eine heimische, kletternde Wiesenpflanze aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Mit ihren leuchtend gelben Schmetterlingsblüten fällt sie im Sommergras sofort ins Auge und ist als sogenannte „Kraftblume“ eine ökologisch überaus wertvolle Nektarquelle für Hummeln und Wildbienen. Für Wildkräutersammler ist sie jedoch uninteressant: Aufgrund leicht giftiger Inhaltsstoffe hat sie in der modernen Küche und Hausapotheke keinen Platz.
Informationskategorien zu dieser Wildpflanze
Wildpflanzen-Steckbrief „Wiesen-Platterbse“
- Botanischer Name: Lathyrus pratensis
- Deutscher Name: Wiesen-Platterbse
- Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
- Gattung: Platterbsen (Lathyrus)
- Andere Namen: Honigwicke, Gelber Klee, Gelbe Vogelwicke
- Lebensdauer: Ausdauernd (mehrjährig)
- Wuchsform: Krautig, rankend bis aufsteigend
- Wuchshöhe: 30 bis 100 cm
- Wurzelwerk: Verzweigte Pfahlwurzel mit weitreichenden, unterirdischen Ausläufern (Rhizomen)
- Blütezeit: Juni bis August
- Blütenstand: Traube
- Fruchtreife: August bis September
- Boden/Standort: Nährstoffreiche, frische bis feuchte, lehmige und humose Böden; Fettwiesen, Weiden, Wald- und Wegränder.
- Hauptinhaltsstoffe: Bitterstoffe, toxische Aminosäuren (Lathyrogene)
- Giftigkeit: Schwach giftig (besonders die Samen). Für Weidevieh in großen Mengen unbekömmlich.
Bilder & Fotos „Wiesen-Platterbse“
Wildpflanzen & Wildkräuter bestimmen mit Fotos (©) von pflanzen-vielfalt.NET. Die folgenden Bilder/Fotos zeigen dir die Pflanze im Jahres- bzw. Lebensverlauf und ermöglichen eine Bestimmung über den gesamten Zeitraum.
Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze
Die Wiesen-Platterbse ist eine krautige Rankpflanze, die sich mit Hilfe ihrer umgebildeten Blattspitzen an umliegenden Gräsern und Stauden in die Höhe zieht. Sie fällt besonders durch ihr sattes Gelb und die geometrisch interessante Blattstruktur auf.
Vegetative Merkmale (z. B. Stamm/Stängel, Rinde, Blätter)
- Stängel: Die aufsteigenden oder kletternden Stängel sind deutlich vierkantig, jedoch nicht geflügelt. Sie sind kahl oder nur sehr schwach behaart und oft stark verzweigt.
- Blätter: Die Blätter sind wechselständig angeordnet. Die Besonderheit: Die gefiederte Blattspreite besteht aus exakt einem einzigen Fiederpaar (zwei schmal-elliptische Blättchen). Die Mittelrippe des Blattes ist an der Spitze zu einer einfachen oder verzweigten Ranke umgebildet.
- Nebenblätter: An der Basis des Blattstiels sitzen große, pfeilförmige Nebenblätter. Sie ähneln den eigentlichen Fiederblättchen stark, sodass optisch oft der Eindruck entsteht, das Blatt bestünde aus vier Blättchen.
Generative Merkmale (Blüte & Frucht)
- Blüte: Die kräftig gelben Schmetterlingsblüten (ca. 15 mm lang) stehen zu fünf bis zehn (selten bis zu zwölf) an einem langen Blütenstandsschaft, der den Blattachseln entspringt.
- Frucht: Es entwickeln sich längliche, flache Hülsenfrüchte (2,5 bis 3,5 cm lang), die kahl sind und sich im Spätsommer zur Reifezeit tiefschwarz verfärben.
- Samen: Die in den Hülsen liegenden Samen sind klein und kugelig.
Verwechslungsgefahren:
- Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus): Blüht ebenfalls gelb und wächst an ähnlichen Standorten. Er besitzt jedoch kleeblattartige (dreizählige) Blätter und bildet niemals Ranken aus.
- Andere Wicken-Arten (Vicia spp.): Wicken besitzen in der Regel Blätter mit mehreren Fiederpaaren (nicht nur einem Paar wie die Platterbse).
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Heilwirkung & medizinische Nutzung
Heilpflanzen-Steckbrief:
- Droge: Keine offizielle pharmakologische Droge.
- Inhaltsstoffe: Lathyrogene (spezifische Aminosäuren), Bitterstoffe.
- Monographie-Status: Keine (Weder HMPC noch Kommission E haben diese Pflanze bearbeitet).
Die Wiesen-Platterbse besitzt keinerlei gesicherte medizinische Anwendung und wird in der evidenzbasierten Phytotherapie nicht genutzt. Auch in der historischen europäischen Volksheilkunde spielte sie aufgrund fehlender Wirksamkeit und ihrer leichten Toxizität so gut wie keine Rolle.
- Die Samen und das frische Kraut enthalten toxische, nicht-proteinogene Aminosäuren (sogenannte Lathyrogene). Ein regelmäßiger oder übermäßiger Verzehr kann neurologische Störungen verursachen. Diese Pflanze ist nicht für den menschlichen Verzehr oder die Selbstmedikation geeignet.
👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Viele Wildpflanzen werden seit Langem in der Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) und in der Volksheilkunde verwendet. Auf diesen Seiten erfährst du, was über ihre Anwendung bekannt ist – und wie gut es belegt ist: Steht eine Monographie (HMPC oder Kommission E) dabei, wurde die Anwendung fachlich bewertet. Formulierungen wie „traditionell“, „in der Volksheilkunde“ oder „der Überlieferung nach“ bedeuten, dass ein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis fehlt. Angaben zur Homöopathie beschreiben nur die Verwendung, keine nachgewiesene Wirkung.
Diese Informationen sind keine medizinische Beratung und ersetzen nicht den Rat von Ärztin, Arzt oder Apotheke. Selbst gesammelte Kräuter sind keine geprüften Arzneimittel: Ihr Wirkstoffgehalt schwankt, und Verwechslungen sind möglich. In Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kindern, bei Vorerkrankungen und bei Einnahme von Medikamenten wende Heilpflanzen nur nach ärztlicher Rücksprache an.
Weiterführende Fachliteratur findest du in meiner Buchtipp-Ecke „Medizin & Heilung“. Ein bewährtes Nachschlagewerk ist „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. Er beschreibt die Pflanzen aus Sicht der Phytotherapie und der Volksheilkunde und geht auch auf die Homöopathie ein.
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Essbarkeit & Verwendung in der Küche
Kulinarisches Profil: Die Wiesen-Platterbse ist für die Wildkräuterküche nicht geeignet. Sie schmeckt aufgrund enthaltener Bitterstoffe unangenehm und wird als gesundheitlich bedenklich eingestuft.
- Alle Pflanzenteile: Auch wenn historische Aufzeichnungen in seltenen Fällen auf eine Nutzung in extremen Hungersnöten hindeuten (wobei die Samen stark gewässert und gekocht werden mussten), rät die moderne Botanik streng vom Verzehr ab. Weder Blätter, Blüten noch Samen gehören in den Salat oder den Grünen Smoothie.
Der Verzehr von Platterbsen-Arten kann bei entsprechender Menge die Krankheit „Lathyrismus“ auslösen. Dabei greifen die enthaltenen Nervengifte (Neurotoxine) das zentrale Nervensystem an, was zu Muskelkrämpfen und im schlimmsten Fall zu Lähmungserscheinungen der Beine führen kann. Die Pflanze ist daher strikt als ungenießbar bis schwach giftig einzustufen.
👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Sammle und iss nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst. Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt auf eigene Gefahr. Bei Verdacht auf eine Vergiftung sofort Hilfe holen – in Österreich Rettung 144 oder Vergiftungsinformationszentrale 01 406 43 43, in der Schweiz 145, in Deutschland 112 oder den Giftnotruf deines Bundeslandes.
So sammelst du richtig: Sammle abseits stark befahrener Straßen, gespritzter Felder und Hundewiesen, wasche alles gründlich und nimm nur so viel, wie du brauchst. Geschützte Pflanzen sind tabu: Beachte die Naturschutzbestimmungen deines Bundeslandes, und grabe Wurzeln nur mit Erlaubnis des Grundeigentümers aus. Probiere neue Pflanzen zuerst in kleinen Mengen – vor allem, wenn du zu Allergien neigst.
Rezepte findest du hier bewusst nicht. Für die Küche empfehle ich dir diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.
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Geschichtliches zu dieser Wildpflanze
Schwarze Hülsen als Solarkollektoren
Die Wiesen-Platterbse nutzt eine beeindruckende physikalische Methode, um ihre Samen auszubreiten – die sogenannte Xerochasie (Austrocknungsstreuung). Die Hülsenfrüchte verfärben sich im Hoch- bis Spätsommer auffällig tiefschwarz. Diese dunkle Färbung ist kein Zufall, sondern dient als natürlicher Solarkollektor. Die Schoten absorbieren die Sonnenwärme maximal, wodurch das Gewebe der Hülse extrem schnell und ungleichmäßig austrocknet. Es entstehen starke mechanische Spannungen in den Zellwänden. Ist der Reifepunkt erreicht, platzen die Hülsenhälften explosionsartig und rollen sich spiralförmig ein. Durch diesen plötzlichen Federmechanismus werden die kugeligen Samen meterweit in die Umgebung geschleudert.
Kraftblumen und Spezialisten
Die Schmetterlingsblüten der Lathyrus-Arten sind ein Paradebeispiel für evolutionäre Anpassung. Sie besitzen einen raffinierten Klappmechanismus, um ihren Nektar und Pollen zu schützen. Um an die Belohnung zu gelangen, muss das Insekt schwer genug sein, um das „Schiffchen“ (die unteren, verwachsenen Kronblätter) der Blüte nach unten zu drücken. Daher werden diese Blüten als „Kraftblumen“ bezeichnet. Nur große Wildbienen und Hummeln bringen das nötige Gewicht und die Kraft auf. Beim Herunterdrücken wird der Bauch des Insekts durch eine feine „Griffelbürste“ der Blüte gezielt mit Pollen eingestäubt. Neben ihrer Bedeutung für Hummeln ist die Pflanze zudem die bevorzugte und unverzichtbare Raupenfutterpflanze für den filigranen Tintenfleck-Weißling (Leptidea sinapis), eine heimische Schmetterlingsart.
Die Platterbse in der Landwirtschaft
Auf landwirtschaftlichen Wiesen wird die Wiesen-Platterbse heute mit gemischten Gefühlen betrachtet. Rinder und Pferde meiden das frische Kraut auf der Weide meist instinktiv, da es reich an abschreckenden Bitterstoffen ist. Im Heu getrocknet verliert die Pflanze zwar ihren strengen Geschmack und wird mitgefressen, größere Mengen an samenhaltigen Schoten im Futter gelten jedoch aufgrund der lathyrogenen Aminosäuren als mindere Heuqualität und können bei Tieren zu Verdauungs- und Nervenstörungen führen.
Videobeitrag zu „Wiesen-Platterbse“
Tipp: Im YouTube-Kanal von pflanzen-vielfalt.NET findest du eine Menge Videos, die die Bestimmung von vielen weiteren heimischen (essbaren) Wildkräutern, Bäumen und Sträuchern erleichtern.
Quellen und weitere Informationen
- Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen – von Steffen Guido Fleischhauer
- Essbare Wildpflanzen – 200 (essbare & giftige) Arten bestimmen und verwenden
- de.wikipedia.org – voll mit Wildkräuter & Wildpflanzen-Wissen
- www.biolib.de (Illustrationen von Wildkräutern und anderen Pflanzen)
- www.floraweb.de – Botanikseite vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über essbare/giftige Wildpflanzen
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