Gemeine Nachtkerze – Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden
Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit
Die Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis) ist ein faszinierender, in Europa fest etablierter Neophyt mit nordamerikanischen Wurzeln. Sie gehört zur Familie der Nachtkerzengewächse (Onagraceae) und ist berühmt für ihre leuchtend gelben Blüten, die sich erst in den Abendstunden öffnen. Als anspruchslose Pionierpflanze besiedelt sie karge Ruderalflächen und spielt ökologisch eine überaus wichtige Rolle für nachtaktive Bestäuber.
Informationskategorien zu dieser Wildpflanze
Wildpflanzen-Steckbrief „Gemeine Nachtkerze“
- Botanischer Name: Oenothera biennis
- Deutscher Name: Gemeine Nachtkerze
- Familie: Nachtkerzengewächse (Onagraceae)
- Gattung: Nachtkerzen (Oenothera)
- Andere Namen: Gewöhnliche Nachtkerze, Schinkenwurz, Gelbe Rapunzel, Stolzer Heinrich, Rapontika, Weinblume
- Lebensdauer: Zweijährig
- Wuchsform: Krautig, aufrecht wachsend
- Wuchshöhe: 80 bis 180 cm (selten bis 200 cm)
- Wurzelwerk: Fleischige Pfahlwurzel
- Blütezeit: Juni bis September
- Blütenstand: Ährig
- Fruchtreife: August bis Oktober
- Boden/Standort: Trocken, eher nährstoffarm, kalkhaltig; Ruderalplätze, Steinbrüche, Wegränder, Schotterbänke
- Hauptinhaltsstoffe: Samen: Fettes Öl (Gamma-Linolensäure, Linolsäure); Blätter: Flavonoide, Gerbstoffe, Schleimstoffe
- Giftigkeit: Für den Menschen ungiftig in allen Pflanzenteilen.
Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze
Die Gemeine Nachtkerze ist eine imposante, zweijährige Pflanze, die im ersten Jahr lediglich eine flach aufliegende Blattrosette ausbildet und erst im zweiten Jahr ihren hohen, blütentragenden Stängel in die Höhe schiebt.
Vegetative Merkmale (Stängel, Wurzel, Blätter)
- Stängel: Aufrecht, grün oder im unteren Bereich rötlich überlaufen (jedoch ohne rote Punktierung), dicht bis spärlich behaart, einfach oder nur gering verzweigt.
- Wurzel: Kräftige, fleischige Pfahlwurzel, die tief in den Boden reicht.
- Grundblätter (1. Jahr): In einer Rosette angeordnet, 10 bis 30 cm lang, fleischig.
- Stängelblätter (2. Jahr): Wechselständig, schmal verkehrt-lanzettlich bis elliptisch, spitz zulaufend. Der Blattrand ist gezähnt bis fast glatt. Ein roter Mittelnerv ist oft deutlich erkennbar.
Generative Merkmale (Blüte & Frucht)
- Blütenstand: Dichter, ähriger Blütenstand an einer geraden, drüsig behaarten Achse. Blütenknospen sind grün.
- Blüte: Radiärsymmetrisch, vierzählig und intensiv gelb. Sie verfärbt sich beim Verwelken oft orangefarben. Der Blütenbecher ist lang (bis zu 4 cm).
- Frucht: Zylindrische, schwach behaarte Kapselfrucht (2 bis 4 cm lang), die direkt am Stängel sitzt.
- Samen: Kantig, braun bis fast schwarz, unregelmäßig genarbt, in zwei Reihen je Fruchtfach angeordnet.
Verwechslungsgefahren:
- Rotkelchige Nachtkerze (Oenothera glazioviana): Bildet größere Blüten aus. Das sicherste Unterscheidungsmerkmal sind die deutlich rot getupften Stängel (rote Knötchen an der Basis der Stängelhaare).
- Nachtkerzen-Hybride (Oenothera biennis agg.): Es existieren zahlreiche Kleinarten und Hybriden, die botanisch extrem schwer zu trennen sind. Da alle mitteleuropäischen Oenothera-Arten ein identisches Nutzungs- und Risikoprofil aufweisen, ist eine Verwechslung untereinander unproblematisch.
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Heilwirkung & medizinische Nutzung
Heilpflanzen-Steckbrief:
- Droge: Oenotherae biennis oleum (Nachtkerzensamenöl)
- Inhaltsstoffe: Fettes Öl mit hohem Anteil an essenziellen Fettsäuren (v. a. Linolsäure und Gamma-Linolensäure)
- Monographie-Status: HMPC (Traditional use)
In der evidenzbasierten Phytotherapie hat sich das aus den Samen gewonnene Nachtkerzenöl etabliert. Es wird aufgrund seines hohen Gehalts an Omega-6-Fettsäuren (insbesondere Gamma-Linolensäure) innerlich und äußerlich zur Linderung von Juckreiz bei akuter und chronischer trockener Haut, wie etwa bei leichten Formen der Neurodermitis (atopisches Ekzem), eingesetzt. In der Volksheilkunde wird das Öl zudem bei prämenstruellem Syndrom (PMS), Wechseljahrsbeschwerden, Rheuma und Bluthochdruck angewendet, wobei eine gesicherte wissenschaftliche Evidenz für diese Indikationen oft noch aussteht. Ein Tee aus den Blättern wird historisch bei leichten Magen-Darm-Beschwerden beschrieben.
👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Die Nutzung von Wild- und Wiesenkräutern ist ein zentraler Bestandteil der Phytotherapie und findet auch in der Homöopathie Anwendung. Auf diesen Seiten erhältst du einen fundierten Überblick über die botanischen Eigenschaften und die traditionelle Verwendung dieser Pflanzen. Die bereitgestellten Informationen dienen jedoch ausschließlich der neutralen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit der Heilpflanzenkunde findest du in meiner Buchtipp-Ecke eine Auswahl an Fachliteratur. Ein besonders empfehlenswertes Standardwerk ist „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. In diesem Werk beleuchtet der Autor die Anwendung der Pflanzen aus Sicht der Schulmedizin, der Phytotherapie und der Volksheilkunde sowie ihre Bedeutung in der Homöopathie.
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Essbarkeit & Verwendung in der Küche
Kulinarisches Profil: Die Nachtkerze ist ein ausgezeichnetes, sehr mild schmeckendes Wildgemüse. Die fleischige Wurzel erinnert geschmacklich an Schwarzwurzeln oder Pastinaken und war früher ein geschätztes Grundnahrungsmittel in vielen Bauerngärten.
- Wurzeln (Herbst des 1. Jahres bis Frühjahr des 2. Jahres): Können wie Wurzelgemüse in Brühe gekocht, gedünstet oder als Salat verarbeitet werden. Ab der Stängelbildung im zweiten Jahr verholzt die Wurzel und wird ungenießbar.
- Blätter (April bis Juni): Vor der Blüte geerntet, eignen sie sich roh fein geschnitten für Salate, als Einlage für Grüne Smoothies oder gedünstet als Wildspinat.
- Blütenstängel & Knospen (April bis Juli): Junge, noch weiche Blütenstängel lassen sich schälen und roh knabbern oder als Pfannengemüse zubereiten. Die Knospen sind eine feine Salatbeigabe oder können in Öl als Antipasti eingelegt werden.
- Blüten (Juni bis September): Ideal als essbare, dekorative Beigabe für Salate und Süßspeisen.
- Früchte (August bis September): Ganz junge, noch grüne und weiche Kapselfrüchte lassen sich ähnlich wie die Blütenstängel dünsten.
- Samen (Spätsommer bis Herbst): Aus den Samen wird das wertvolle Nachtkerzenöl gepresst. Roh genascht müssen sie sehr gut gekaut oder im Mörser zerstoßen werden, damit der Körper die Nährstoffe und Öle aufnehmen kann.
👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die hier aufgeführten Anwendungen stellen lediglich einen Auszug aus der vielfältigen Nutzungshistorie dieser Pflanzen dar. Mein Ziel ist es, dir fundierte und leicht verständliche botanische Grundlagen zu vermitteln. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.
Da ich auf dieser Seite bewusst auf detaillierte Rezepturen verzichte, empfehle ich dir für die praktische kulinarische Umsetzung diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.
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Geschichtliches zu dieser Wildpflanze
Faszinierende Blütenbiologie in Echtzeit
Das Aufblühen der Gemeinen Nachtkerze ist ein spektakuläres Naturschauspiel. Das Öffnen der Blüten erfolgt in den Abendstunden oft innerhalb weniger Minuten in einer geradezu fließenden Bewegung. Eine derartige Geschwindigkeit ist bei kaum einer anderen mitteleuropäischen Pflanze mit bloßem Auge zu beobachten. Zunächst noch geruchlos, verströmen die Blüten nach der vollständigen Öffnung einen intensiv süßlichen Duft. Dieser Duft und die leuchtend gelbe Farbe (die im UV-Spektrum stark reflektiert) locken gezielt nachtaktive Insekten wie Schwärmer und andere Nachtfalter an, die mit ihren langen Rüsseln den Nektar erreichen und die Pflanze bestäuben.
Die Schinkenwurz und der Kraftmythos
Ihre weite Verbreitung in Europa verdankt die Nachtkerze nicht nur ihrem Zierwert, sondern vor allem ihrer Vergangenheit als wichtiges Wurzelgemüse im 18. und 19. Jahrhundert. Im Volksmund erhielt sie den Namen „Schinkenwurz“, da sich ihre Wurzeln beim Kochen oft zart rötlich verfärben. In alten volksheilkundlichen Sprichwörtern hieß es sogar, ein Pfund Nachtkerzenwurzel liefere dem Körper so viel Kraft wie ein Zentner Ochsenfleisch. Auch wenn dies botanisch und ernährungsphysiologisch übertrieben ist, unterstreicht es die historische Bedeutung der Pflanze als nahrhaftes, stärkendes Lebensmittel für die Landbevölkerung.
Videobeitrag zu „Gemeine Nachtkerze“
Noch mehr Informationen und Bestimmungsvideos zur Gemeinen Nachtkerze findest du im YouTube-Kanal von pflanzen-vielfalt.NET. Durch kurze (kommentierte) Videos kannst du den gesamten Lebenszyklus dieser Wildpflanze verfolgen. Außerdem kannst du viele weitere heimische (essbare) Wildkräuter, Bäume und Sträucher in ihrem Werden und Vergehen kennen und bestimmen lernen.
Quellen und weitere Informationen
- Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen – von Steffen Guido Fleischhauer
- Essbare Wildpflanzen – 200 (essbare & giftige) Arten bestimmen und verwenden
- de.wikipedia.org – voll mit Wildkräuter & Wildpflanzen-Wissen
- www.biolib.de (Illustrationen von Wildkräutern und anderen Pflanzen)
- www.floraweb.de – Botanikseite vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über essbare/giftige Wildpflanzen
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