Gänsefingerkraut – Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden
Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit
Das Gänsefingerkraut ist ein weit verbreiteter Pionier und Kulturfolger, der durch seine leuchtend gelben Blüten und die namensgebenden, silbrig schimmernden Blattunterseiten sofort ins Auge fällt. Als heimisches Mitglied der Familie der Rosengewächse besiedelt es bevorzugt nährstoffreiche und verdichtete Böden. Neben seiner Rolle als robuste, salztolerante Ökologie-Komponente an Wegrändern schätzt man die Pflanze seit Jahrhunderten als wertvolle Heilpflanze bei Magen-Darm-Beschwerden und Menstruationskrämpfen.
Informationskategorien zu dieser Wildpflanze
Wildpflanzen-Steckbrief „Gänsefingerkraut“
- Botanischer Name: Argentina anserina
- Deutscher Name: Gänsefingerkraut
- Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
- Gattung: Argentina
- Andere Namen: Anserine, Krampfkraut, Silberkraut, Gänsegarbe, Gänserich, Ganskraut
- Lebensdauer: ausdauernd (mehrjährig)
- Wuchsform: kriechend, bodendeckend mit langen Ausläufern
- Wuchshöhe: 10 bis 20 cm (Ausläufer bis 80 cm lang)
- Wurzelwerk: kurzes, verdicktes Rhizom mit flachen Nebenwurzeln
- Blütezeit: Mai bis August (bis in den September hinein)
- Blütenstand: einzeln stehende Blüten an langen Stielen
- Fruchtreife: Spätsommer bis Herbst
- Boden/Standort: nährstoffreich, dicht, lehmig-tonig, oft stickstoffreich; frische Pionierrasen, Wiesen, Wegränder
- Hauptinhaltsstoffe: Gerbstoffe, Bitterstoffe, Phytosterole, Schleimstoffe, Flavonoide, Cumarine
- Giftigkeit: ungiftig (alle Pflanzenteile)
Bestimmung/Beschreibung der Wildpflanze
Das Gänsefingerkraut erkennst du am besten an seinem flachen, teppichartigen Wuchs und den auffällig silbrig glänzenden Unterseiten der gefiederten Blätter.
Vegetative Merkmale (Blätter & Stängel)
- Wuchsform: Die Pflanze bildet eine Grundrosette aus, von der bis zu 80 cm lange, oberirdisch kriechende Ausläufer (Stolonen) abgehen, die an den Knotenpunkten Wurzeln schlagen.
- Blattform: Die Blätter sind unpaarig, unterbrochen gefiedert und bestehen aus 7 bis 21 zähnigen Blättchen.
- Blattoberfläche: Die Blattoberseite ist grün und meist nur spärlich behaart, die Unterseite ist dicht silbrig-weiß und seidig behaart.
Generative Merkmale (Blüte & Frucht)
- Blüte: Die radiärsymmetrischen, zwittrigen Blüten erreichen einen Durchmesser von 1,5 bis 2 cm und bestehen aus fünf leuchtend gelben Kronblättern. Sie öffnen sich nur bei Sonnenschein vollständig.
- Frucht: Aus den Blüten entwickeln sich zahlreiche kleine, einsamige Nüsschen, die sich bei Fruchtreife vom kegeligen Blütenboden lösen.
Verwechslungsgefahren:
- Rainfarn (Tanacetum vulgare): Die gefiederten Blätter junger Rainfarn-Pflanzen können ähnlich aussehen. Der Rainfarn wächst jedoch aufrecht und wird bis zu 1,5 Meter hoch. Zudem riecht er stark aromatisch beim Zerreiben und bildet später gelbe, knöpfchenartige Blütenstände aus. Gänsefingerkraut bleibt flach am Boden und ist fast geruchlos.
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Heilwirkung & medizinische Nutzung
Heilpflanzen-Steckbrief:
- Droge: Anserinae herba (Gänsefingerkraut)
- Inhaltsstoffe: Vor allem Gerbstoffe (Ellagitannine), Flavonoide und Schleimstoffe.
- Monographie-Status: Positiv bewertet durch Kommission E.
In der evidenzbasierten Phytotherapie wird das Kraut aufgrund seiner adstringierenden (zusammenziehenden) und krampflösenden Eigenschaften geschätzt. Es ist anerkannt zur innerlichen Behandlung von leichten, unspezifischen Durchfallerkrankungen sowie bei krampfartigen Magen-Darm- und Menstruationsbeschwerden. Auch äußerlich, in Form von Gurgellösungen, wird es bei leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut eingesetzt. In der Volksheilkunde wird das Kauen der frischen Wurzel bei Zahnfleischentzündungen empfohlen, was aufgrund der gerbenden Wirkung plausibel ist.
- Aufgrund des hohen Gerbstoffgehalts kann das Kraut bei empfindlichen Personen oder einem Reizmagen zu Magenbeschwerden oder Übelkeit führen.
👉 Wichtiger Hinweis zur Heilwirkung: Die Nutzung von Wild- und Wiesenkräutern ist ein zentraler Bestandteil der Phytotherapie und findet auch in der Homöopathie Anwendung. Auf diesen Seiten erhältst du einen fundierten Überblick über die botanischen Eigenschaften und die traditionelle Verwendung dieser Pflanzen. Die bereitgestellten Informationen dienen jedoch ausschließlich der neutralen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und ersetzen keinesfalls den fachlichen Rat eines Arztes oder Apothekers. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist stets ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Für eine weiterführende Auseinandersetzung mit der Heilpflanzenkunde findest du in meiner Buchtipp-Ecke eine Auswahl an Fachliteratur. Ein besonders empfehlenswertes Standardwerk ist „Das große Buch der Heilpflanzen“ * von Apotheker M. Pahlow. In diesem Werk beleuchtet der Autor die Anwendung der Pflanzen aus Sicht der Schulmedizin, der Phytotherapie und der Volksheilkunde sowie ihre Bedeutung in der Homöopathie.
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Essbarkeit & Verwendung in der Küche
Kulinarisches Profil: Die Blätter haben ein leicht säuerliches, mildes Aroma. Die Wurzeln schmecken roh leicht nussig, beim Garen entwickeln sie eine feine Süße.
- Blätter & Triebspitzen (Mai bis August): Junge Blätter sind zart und eignen sich fein gehackt für Wildkräutersalate, Kräuterquark oder Smoothies (wo der Mixer auch ältere Blätter zerkleinert). Sie ergeben getrocknet einen milden Tee. Mit zunehmendem Alter werden die Blätter faserig und schwer zu kauen.
- Blüten (Mai bis August): Die leuchtend gelben Kronblätter sind mild im Geschmack und eine hervorragende, essbare Dekoration für herzhafte und süße Speisen.
- Wurzeln (September bis Frühjahr): Die fleischigen, leicht verdickten Rhizomteile sind sehr nahrhaft. Sie können roh geraspelt in Salaten verwendet, als stärkereiches Gemüsepüree gekocht oder getrocknet und zu Mehl vermahlen werden.
👉 Wichtiger Hinweis zum Sammeln & Verzehr: Die hier aufgeführten Anwendungen stellen lediglich einen Auszug aus der vielfältigen Nutzungshistorie dieser Pflanzen dar. Mein Ziel ist es, dir fundierte und leicht verständliche botanische Grundlagen zu vermitteln. Sammle und verzehre jedoch ausnahmslos nur Wildkräuter, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst! Eine Verwechslung mit giftigen Doppelgängern kann lebensgefährlich sein. Die Nutzung erfolgt stets auf eigene Gefahr.
Da ich auf dieser Seite bewusst auf detaillierte Rezepturen verzichte, empfehle ich dir für die praktische kulinarische Umsetzung diese ausgewählten Wildkräuter-Kochbücher.
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Geschichtliches zu dieser Wildpflanze
Raffinierte Anpassungsstrategien
Das Gänsefingerkraut ist ein Überlebenskünstler. Seine silbrig behaarten Blattunterseiten haben eine ganz konkrete ökologische Funktion: Bei starker Trockenheit und Hitze rollen oder falten sich die Blätter leicht nach oben ein. Dadurch wird die weiße Unterseite der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt, reflektiert das Licht und schützt die Pflanze vor Überhitzung und Wasserverlust. Die Blüten besitzen zudem für das menschliche Auge unsichtbare UV-Saftmale, die Bestäuberinsekten zielsicher zum Nektar leiten. Bleiben Insekten bei schlechtem Wetter aus, kann die Pflanze sich vor dem Verblühen selbst bestäuben.
Kulturfolger mit Salztoleranz
Ursprünglich fehlte das Gänsefingerkraut in den typischen Kräuterschriften der Antike, da seine eigentliche Heimat in Mittel- und Nordeuropa liegt und nicht im Mittelmeerraum. Erst im 15. Jahrhundert wurde es unter anderem durch Peter Schöffer dokumentarisch erfasst. Heute ist es eine extrem erfolgreiche, durch Verschleppung weltweit verbreitete Art. Eine besondere Eigenschaft begünstigt seine Ausbreitung massiv: Es verträgt hohe Salzkonzentrationen im Boden. Deshalb findet man das Gänsefingerkraut heutzutage massenhaft als Pionierpflanze an den Rändern von Straßen und Autobahnen, wo im Winter Streusalz ausgebracht wird, an dem viele andere Gewächse scheitern.
Videobeitrag zu „Gänsefingerkraut“
Auf dem Kanal von pflanzen-vielfalt.NET findest du noch mehr Bestimmungsvideos für das Gänsefingerkraut. Mit Hilfe von kurzen Videos kannst du diese Wildpflanze über ihren gesamten Lebenszyklus kennen lernen. Im YouTube-Kanal findest du außerdem Videos, die die Bestimmung von vielen weiteren heimischen (essbaren) Wildkräutern, Bäumen und Sträuchern erleichtern.
Quellen und weitere Informationen
- Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen – von Steffen Guido Fleischhauer
- Essbare Wildpflanzen – 200 (essbare & giftige) Arten bestimmen und verwenden
- de.wikipedia.org – voll mit Wildkräuter & Wildpflanzen-Wissen
- www.biolib.de (Illustrationen von Wildkräutern und anderen Pflanzen)
- www.floraweb.de – Botanikseite vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)
- viele weitere Webseiten & Bücher/Büchlein über essbare/giftige Wildpflanzen
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