Pflanzenfamilien im Wildkräuter-Lexikon

Raublattgewächse (Boraginaceae)
Raublattgewächse

Raublattgewächse (Boraginaceae)

Einblick in Pflanzenfamilien & Arten. Auf dieser Seite: Raublattgewächse (Boraginaceae). Heimische Vertreter und Beispiel-Arten für diese Familie.

Die Raublattgewächse (Boraginaceae) bilden eine weltweit verbreitete, formenreiche Pflanzenfamilie innerhalb der Ordnung der Raublattartigen (Boraginales). Während sie in älteren Systemen oft als einzige Familie dieser Ordnung geführt wurden, werden nach der aktuellen APG-IV-Systematik noch weitere, eng verwandte Familien (wie etwa die Wasserblattgewächse) zu den Boraginales gezählt. Namensgebend und morphologisch prägend ist die ausgeprägte, starre Borstenbehaarung an Stängeln und Blättern, die den Gewächsen als effektiver mechanischer Fraßschutz dient. Botanisch zeichnen sie sich vor allem durch spiralig eingerollte Blütenstände (Wickel) und die in vier nussartige Teilfrüchte zerfallenden Fruchtknoten aus.

Typische Merkmale der Familie

  • Wuchsform: Meist ein- bis mehrjährige krautige Pflanzen, die durch verkieselte Borsten- oder Rauhaare (Trichome) oft stark rau anzufühlen sind.
  • Blätter: In der Regel wechselständig, selten gegenständig angeordnet, meist ungeteilt und ganzrandig, stets ohne Nebenblätter und intensiv rauhaarig.
  • Blüten & Blütenstand: Die vorwiegend radiär-, teils jedoch deutlich spiegelsymmetrischen (zygomorphen), fünfzähligen Blüten mit verwachsenen Kronblättern stehen typischerweise in einem charakteristischen, anfangs an der Spitze schneckenartig eingerollten Blütenstand, dem Wickel (Monochasium), zusammen.
  • Früchte: Aus dem oberständigen Fruchtknoten entwickelt sich durch die Bildung einer falschen Scheidewand eine typische vierteilige Spaltfrucht (Klausenfrucht), die bei Reife in vier einsamige Teilfrüchte (Klausen) zerfällt.
  • Wichtige Inhaltsstoffe: Sehr viele Arten bilden lebertoxische, potenziell krebserzeugende und erbgutschädigende Pyrrolizidinalkaloide (PA) als Fraßschutz; zudem sind reizmildernde pflanzliche Schleimstoffe, Gerbstoffe, Allantoin sowie Kieselsäure, welche die rauen Haare stabilisiert, weit verbreitet.

Verwendung & ökologische Bedeutung

Zahlreiche Vertreter der Raublattgewächse, wie Beinwell, Lungenkraut oder Borretsch, blicken auf eine lange Tradition als Heil- und Gewürzkräuter zurück, auch wenn ihr innerlicher Einsatz heute aufgrund der teilweise enthaltenen, leberschädigenden Pyrrolizidinalkaloide in der Phytotherapie streng reglementiert ist. Ökologisch spielen diese Pflanzen eine überragende Rolle in unseren heimischen Ökosystemen. Die oft röhren- oder trichterförmigen Blüten, die bei vielen Arten durch einen pH-Wert-Wechsel im Zellsaft während der Anthese ihre Farbe ändern (z. B. von Rosa nach Blau), signalisieren Insekten den Nektarstatus und bieten spezialisierten Bestäubern wie langrüsseligen Wildbienen und Schmetterlingen eine extrem wertvolle, geschützte Nahrungsquelle.

Wildpflanzen-Arten dieser Familie im Online-Lexikon

Beinwell - Echter (Symphytum officinale)
Beinwell – Echter

Beinwell – Echter (Symphytum officinale)
Essbar/essbare Teile / auf Menge achten | Der Echte Beinwell ist eine wuchskräftige, tiefwurzelnde Staude feuchter Wiesen und Ufer, deren raue, spitz zulaufende Blätter am Stängel auffällig herablaufen. Seine violetten bis gelblich-weißen Glockenblüten sind eine exzellente Hummelweide, während die fleischigen Wurzeln traditionell wegen des zellregenerierenden Inhaltsstoffs Allantoin zur äußerlichen Behandlung von Knochenbrüchen und Prellungen genutzt werden. Wegen der enthaltenen Pyrrolizidinalkaloide sollte der Echte Beinwell in der Wildkräuterküche heute jedoch wegen der kumulativen Giftwirkung nur gelegentlich und in geringen Mengen verzehrt werden.

Borretsch (Borago officinalis)
Borretsch

Borretsch (Borago officinalis)
Essbar/essbare Teile / auf Menge achten | Der Borretsch, umgangssprachlich auch Gurkenkraut genannt, ist eine steifborstig behaarte, einjährige Gewürzpflanze, die im Mittelmeerraum beheimatet ist und bei uns häufig kultiviert oder verwildert vorkommt. Im Hochsommer besticht er durch leuchtend blaue, radförmige Blüten, die mit ihren markanten dunklen Staubblattkegeln Insekten den Weg zum Nektar weisen. Die nach frischer Gurke schmeckenden Blätter und Blüten des Borretschs sind eine klassische Zutat der Frankfurter Grünen Soße, sollten aber aufgrund toxischer Alkaloide wegen der kumulativen Giftwirkung nur gelegentlich und in geringen Mengen verzehrt werden.

Lungenkraut - Geflecktes (Pulmonaria officinalis)
Lungenkraut – Geflecktes

Lungenkraut – Geflecktes (Pulmonaria officinalis)
Essbar/essbare Teile | Das Gefleckte Lungenkraut ist eine ausdauernde, frühjahrsblühende Waldpflanze, die man leicht an ihren auffällig weiß gefleckten und weich behaarten Grundblättern erkennt. Ein faszinierendes Erkennungsmerkmal ist der Farbwechsel seiner Blüten von anfangs kräftigem Rosa zu einem späteren Violettblau, womit Bestäubern intelligent der verfügbare Nektarstatus signalisiert wird. Traditionell hat das Gefleckte Lungenkraut wegen seiner reizmildernden Schleimstoffe und der enthaltenen Kieselsäure eine lange Geschichte als Heilpflanze zur Linderung von Husten und Atemwegsbeschwerden.

Natternkopf - Gewöhnlicher (Echium vulgare)
Natternkopf – Gewöhnlicher

Natternkopf – Gewöhnlicher (Echium vulgare)
Essbar/essbare Teile / auf Menge achten | Der Gewöhnliche Natternkopf ist eine hochwachsende, trockenheitsresistente Pionierpflanze, deren rötlich gepunkteter Stängel extrem borstig behaart ist. Entgegen der in der Familie üblichen Radiärsymmetrie bildet er deutlich spiegelsymmetrische (zygomorphe) blaue Blüten aus, aus denen die rosaroten Staubblätter wie gespaltene Schlangenzungen markant herausragen. Ökologisch gilt der Gewöhnliche Natternkopf als eine der nektarreichsten heimischen Pflanzen und ist für stark spezialisierte Wildbienen, wie die Natternkopf-Mauerbiene, als Nahrungsquelle überlebenswichtig.

Rainfarn-Phazelie (Phacelia tanacetifolia)
Phazelie (Phacelia tanacetifolia)

Phacelie – Rainfarn (Phacelia tanacetifolia)
Ungenießbar | Die Rainfarn-Phazelie, von Imkern und Gärtnern liebevoll „Bienenfreund“ genannt, stammt ursprünglich aus Amerika und wird in Mitteleuropa im großen Stil als landwirtschaftliche Zwischenfrucht zur Gründüngung angebaut. Botanischer Hinweis: Obwohl sie lange zu den Raublattgewächsen gezählt wurde und ähnliche Wickelblüten ausbildet, wird sie nach der aktuellen APG-IV-Systematik den Wasserblattgewächsen (Hydrophyllaceae) zugeordnet. Im Gegensatz zu echten Raublattgewächsen bildet sie Kapselfrüchte statt Klausenfrüchte, hat deutlich weichere Haare und tief fiederteilige Blätter. Ihre bläulich-violetten Blüten produzieren verschwenderische Mengen an Nektar, weshalb sie eine unersetzliche Trachtpflanze darstellt.

Vergissmeinnicht - Acker (Myosotis arvensis)
Vergissmeinnicht – Acker

Vergissmeinnicht – Acker (Myosotis arvensis)
Essbar/essbare Teile / auf Menge achten | Das Acker-Vergissmeinnicht ist eine ein- bis zweijährige, filigran wachsende Wildpflanze, die bevorzugt offene, nährstoffreiche Böden an Wegrändern und auf landwirtschaftlichen Nutzflächen besiedelt. Seine himmelblauen, radiärsymmetrischen Blütenmündungen messen nur wenige Millimeter, leuchten jedoch an den langgezogenen, blattlosen Wickelblütenständen intensiv. Obwohl die winzigen Blüten des Acker-Vergissmeinnichts ein wunderschönes essbares Dekorelement abgeben, ist beim Verzehr größerer Pflanzenteile wegen der darin gebundenen Pyrrolizidinalkaloide Vorsicht geboten.

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