Pflanzenfamilien im Wildkräuter-Lexikon

Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
Hahnenfußgewächse

Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)

Einblick in Pflanzenfamilien & Arten. Auf dieser Seite: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Heimische Vertreter und Beispiel-Arten für diese Familie.

Die Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) bilden eine basale Familie innerhalb der Ordnung der Hahnenfußartigen (Ranunculales), die weltweit vor allem in den gemäßigten Breiten der Nordhalbkugel verbreitet ist. Ein taxonomisches Hauptmerkmal dieser Familie sind die oftmals schraubig angeordneten, freien Blütenorgane sowie der extrem hohe Gehalt an toxischen sekundären Pflanzenstoffen. Die überwiegende Zahl der Vertreter dieser evolutionär alten Pflanzengruppe sind für Mensch und Tier giftig.

Typische Merkmale der Familie

  • Wuchsform: Meist ausdauernde, seltener einjährige krautige Pflanzen; gelegentlich als verholzende Lianen oder Zwergsträucher ausgebildet, häufig mit unterirdischen Rhizomen oder Knollen als Überdauerungsorgane.
  • Blätter: Überwiegend wechselständig, häufig handförmig geteilt, gespalten oder gefiedert; in der Regel ohne Nebenblätter.
  • Blüten & Blütenstand: Meist zwittrige, radiärsymmetrische oder zygomorphe Blüten mit stets freien, oft schraubig angeordneten Blütenhüllblättern (Perigonblätter oder Kelch- und Kronblätter); oftmals sind spezialisierte Nektarblätter (Honigblätter) vorhanden. Blütenstände variieren stark (einzeln, traubig, rispig oder zymös).
  • Früchte: Typischerweise entstehen apokarpe Sammelbalgfrüchte oder Sammelnussfrüchte (Achänen), seltener Beeren oder Kapselfrüchte.
  • Wichtige Inhaltsstoffe: Charakteristisch ist das beim Trocknen oder Verletzen der Pflanze freigesetzte, stark reizende Protoanemonin (entsteht aus dem Glykosid Ranunculin) sowie komplexe, teils hochtoxische Diterpen- und Isochinolinalkaloide (z. B. Aconitin) oder Steroidsaponine oder Glykoside (z. B. Hellebrin).

Verwendung & ökologische Bedeutung

Ökologisch spielen die Hahnenfußgewächse eine entscheidende Rolle als frühe Pollen- und Nektarspender im Vorfrühling, wobei einige Arten komplexe zygomorphe Blütenstrukturen entwickelt haben, um stark spezialisierte Bestäuber wie Hummeln anzulocken (z. B. Eisenhut). Aufgrund ihrer massiven Toxizität durch Protoanemonin und Alkaloide werden die Pflanzen vom Weidevieh konsequent gemieden, weshalb Arten wie der Scharfe Hahnenfuß auf überweideten Flächen oft als unerwünschtes Weideunkraut dominant zurückbleiben. Wirtschaftlich sind sie heute vor allem als prächtige Zierpflanzen in Gärten und Parks von immenser Bedeutung, während einige wenige Arten, wie etwa der Schwarzkümmel (Nigella sativa), in der Küche als Gewürz oder traditionelle Arzneipflanze Verwendung finden.

Wildpflanzen-Arten dieser Familie im Online-Lexikon

Buschwindröschen (Anemone nemorosa)
Buschwindröschen

Buschwindröschen (Anemone nemorosa)
Schwach giftig | Das Buschwindröschen ist ein typischer Frühjahrsgeophyt, der in lichten Laubwäldern oft ausgedehnte, teppichartige Bestände bildet. Als Überdauerungsorgan nutzt die Pflanze ein horizontal kriechendes Rhizom, aus dem sich im zeitigen Frühjahr die markanten weißen Blüten erheben. Da alle Pflanzenteile das reizende Protoanemonin enthalten, ist das Buschwindröschen im frischen Zustand giftig und kann bei direktem Hautkontakt zu Bläschenbildung führen.

Christophskraut - Ähriges (Actaea spicata)
Christophskraut – Ähriges

Christophskraut – Ähriges (Actaea spicata)
Giftig | Das Ährige Christophskraut wächst als ausdauernde krautige Waldpflanze vorzugsweise auf kalkhaltigen, schattigen Böden in Laubmischwäldern. Im Hochsommer bildet es auffällige, schwarz glänzende Beerenfrüchte aus, die im Gegensatz zu den für diese Familie primär typischen Balg- oder Nussfrüchten stehen. Die gesamte Pflanze, insbesondere jedoch das Rhizom und die Beeren, ist giftig und führt bei Verzehr zu teils schweren Magen-Darm-Beschwerden.

Hahnenfuß - Scharfer (Ranunculus acris)
Hahnenfuß – Scharfer

Hahnenfuß – Scharfer (Ranunculus acris)
Leicht giftig | Der Scharfe Hahnenfuß ist eine weit verbreitete Wiesenpflanze, die durch ihre leuchtend goldgelben Blüten und tief handförmig geteilten Laubblätter sofort auffällt. Er besiedelt bevorzugt nährstoffreiche, feuchte Wiesen und wird vom Weidevieh aufgrund seiner Toxizität und des scharfen Geschmacks konsequent gemieden. Durch das Trocknen im Heu verliert der Scharfe Hahnenfuß jedoch seine Giftigkeit für die Tiere, da das brennend scharfe Protoanemonin zum ungiftigen Anemonin dimerisiert.

Leberblümchen - Gewöhnliches (Anemone hepatica)
Leberblümchen – Gewöhnliches

Leberblümchen – Gewöhnliches (Anemone hepatica)
Leicht giftig | Das Gewöhnliche Leberblümchen gehört zu den frühesten Blühern in unseren heimischen Laubwäldern und schützt seine Überdauerungsknospen direkt an der Erdoberfläche (Hemikryptophyt). Charakteristisch für diese streng kalkliebende Pflanze sind die dreilappigen, oft rötlich überlaufenen Laubblätter, die in ihrer Form an die menschliche Leber erinnern. Das schwach giftige Gewöhnliche Leberblümchen ist für seine Ausbreitung stark auf Ameisen angewiesen, die die fettreichen Anhängsel der Samen sammeln.

Nieswurz - Grüne (Helleborus viridis)
Nieswurz – Grüne

Nieswurz – Grüne (Helleborus viridis)
Stark giftig | Die Grüne Nieswurz ist ein sommergrüner Hemikryptophyt, der bevorzugt in kalkreichen, lichten Laubwäldern und an Waldrändern wächst. Ihre nickenden, schalenförmigen Blüten weisen auffällig grüne Blütenhüllblätter auf und erscheinen bereits im sehr zeitigen Frühjahr. Als stark giftige Pflanze enthält die Grüne Nieswurz gefährliche Herzglykoside, weshalb sie früher zwar in der Volksmedizin genutzt wurde, heute jedoch als hochtoxisch gemieden wird.

Scharkbockskraut (Ficaria verna)
Scharbockskraut

Scharbockskraut (Ficaria verna)
Leicht giftig | Das Scharbockskraut bedeckt im zeitigen Frühjahr als bodenbedeckender Frühlingsgeophyt mit seinen sternförmigen, glänzend gelben Blüten feuchte Laubwaldböden. Vor der Blütezeit, wenn der Gehalt an giftigem Protoanemonin noch sehr gering ist, wurden die vitamin-C-reichen Blätter früher zur Verhinderung der Mangelkrankheit Skorbut verzehrt. Nach der Samenreife zieht das Scharbockskraut schnell ein und überdauert den Sommer geschützt im Erdboden mithilfe seiner verdickten Wurzelknöllchen.

Schneerose / Christrose (Helleborus niger)
Schneerose / Christrose

Schneerose / Christrose (Helleborus niger)
Stark giftig | Die immergrüne Schneerose, auch Christrose genannt, ist eine kalkstete Gebirgspflanze, die durch ihre außergewöhnlich frühe Blütezeit oft schon ab Dezember durch den Schnee bricht. Die großen, strahlend weißen Blütenhüllblätter dienen als Schauapparat für die wenigen im Winter fliegenden Insekten. Alle Pflanzenteile der Schneerose sind durch das Vorhandensein von Helleborin und herzwirksamen Glykosiden extrem giftig, weshalb jeder Kontakt mit großer Vorsicht erfolgen sollte.

Sumpfdotterblume (Caltha palustris)
Sumpfdotterblume

Sumpfdotterblume (Caltha palustris)
Giftig | Die Sumpfdotterblume besiedelt als stark feuchtigkeitsliebende Sumpfpflanze bevorzugt nasse Wiesen, Quellfluren und schlammige Uferzonen von Fließgewässern. Ab April präsentiert sie ihre leuchtend dottergelben Blüten, die im starken optischen Kontrast zu den herzförmigen, dunkelgrün glänzenden Laubblättern stehen. Wie viele Vertreter dieser Familie ist auch die Sumpfdotterblume giftig und ruft bei Verzehr oder intensivem Hautkontakt unweigerlich Schleimhautreizungen hervor.

Waldrebe - Gewöhnliche (Clematis vitalba)
Waldrebe – Gewöhnliche

Waldrebe – Gewöhnliche (Clematis vitalba)
Giftig | Die Gewöhnliche Waldrebe stellt unsere einzige heimische Liane dar und kann mit ihren rasch verholzenden Trieben oft über 20 Meter hoch in Baumkronen klettern. Im Spätsommer fallen die Pflanzen durch ihre federigen, silbrig-weißen Fruchtstände auf, die als Achänen mit langem, behaartem Griffel vom Wind verbreitet werden. Der frische Pflanzensaft der Gewöhnlichen Waldrebe ist stark reizend und kann auf der empfindlichen Haut zu massiven Rötungen oder gar Blasenbildung führen.

Windröschen - Gelbes (Anemone ranunculoides)
Windröschen – Gelbes

Windröschen – Gelbes (Anemone ranunculoides)
Giftig | Das Gelbe Windröschen blüht zeitgleich mit dem Buschwindröschen, bevorzugt jedoch noch nährstoffreichere, kalkhaltigere und deutlich lehmigere Laubwaldböden. Optisch unterscheidet es sich eindeutig durch seine leuchtend gelben Perigonblätter und tritt oftmals in kleineren, konzentrierteren und dichteren Gruppen auf. Das rhizombildende Gelbe Windröschen ist aufgrund des Protoanemonins ebenfalls toxisch und verschwindet nach der Samenreife im späten Frühjahr wieder vollständig im Erdboden.

Winterling (Eranthis hyemalis)
Winterling

Winterling (Eranthis hyemalis)
Stark giftig | Der Winterling stammt ursprünglich aus Südeuropa, ist bei uns jedoch vielerorts verwildert und kündigt als einer der ersten Vorfrühlingsblüher das nahende Ende des Winters an. Unmittelbar unter seiner gelben Blüte sitzt ein auffälliger, tief geteilter Hochblattwirtel, der wie eine grüne Halskrause wirkt. Die kleine knollenbildende Pflanze ist aufgrund von hochwirksamen Toxinen wie Eranthin in allen Teilen stark giftig und löst bei Verzehr lebensbedrohliche Vergiftungserscheinungen aus.

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