Pflanzenfamilien im Wildkräuter-Lexikon

Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae)
Fuchsschwanzgewächse

Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae)

Einblick in Pflanzenfamilien & Arten. Auf dieser Seite: Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Heimische Vertreter und Beispiel-Arten für diese Familie.

Die Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae), zu denen nach moderner Systematik der APG auch die ehemals eigenständigen Gänsefußgewächse zählen, bilden eine weltweit verbreitete Familie innerhalb der Ordnung der Nelkenartigen (Caryophyllales). Typisch für diese extrem anpassungsfähigen Pflanzen sind stark reduzierte, oft grünliche oder rötliche Blüten mit einer einfachen Blütenhülle (Perigon), die in dichten, knäueligen oder ährigen Blütenständen zusammenstehen. Viele Vertreter besitzen zudem eine ausgeprägte anatomische Toleranz gegenüber Salz und Trockenheit (Halophyten und Xerophyten), was sie zu echten Überlebenskünstlern an extremen Standorten macht.

Typische Merkmale der Familie

  • Wuchsform: Meist ein- bis ausdauernde krautige Pflanzen oder Halbsträucher, seltener Sträucher, die oft ruderal wachsen und nicht selten verdickte Sprossknoten aufweisen.
  • Blätter: Überwiegend wechselständig angeordnet, einfach, oft fleischig-sukkulent verdickt oder mit einem markanten, mehligen Blasenhaar-Überzug versehen.
  • Blüten & Blütenstand: Sehr kleine, primär windbestäubte Blüten ohne Kronblätter, deren einfache Blütenhülle (Perigon) meist in dichten, ährigen, rispigen oder knäueligen Gesamtblütenständen, die aus knäueligen Teilblütenständen (Glomeruli) aufgebaut sind, angeordnet ist.
  • Früchte: Meist kleine, einsamige Nussfrüchte (seltener Kapseln), die oft von den verbleibenden Perigonblättern oder speziellen Vorblättern (Brakteen) flügelartig umhüllt werden.
  • Wichtige Inhaltsstoffe: Häufig hohe Konzentrationen an Oxalsäure, Saponinen, Nitraten sowie charakteristischen Betalainen (stickstoffhaltige Farbstoffe), die für die intensiv rote Färbung vieler Arten (z. B. Amarant, Rote Bete) verantwortlich sind.

Verwendung & ökologische Bedeutung

Die wirtschaftliche und landwirtschaftliche Bedeutung der Fuchsschwanzgewächse ist enorm, da sie sowohl weltweit geschätzte Blattgemüse wie Spinat und Mangold als auch essenzielle Industriepflanzen wie die Zuckerrübe hervorbringen. Zudem erleben stärkereiche Pseudogetreide wie Quinoa (Reismelde) und Amarant aufgrund ihres hohen, glutenfreien Protein- und Mineralstoffgehalts eine globale Renaissance in der menschlichen Ernährung. Ökologisch spielen besonders die unauffälligen Wildkräuter dieser Familie eine zentrale Rolle als raschwüchsige Pionierpflanzen auf gestörten, nährstoffreichen und stickstoffüberdüngten Ruderalflächen (Nitrophyten) sowie als hochspezialisierte Besiedler extremer, stark salzhaltiger Küsten- und Wüstenhabitate.

Wildpflanzen-Arten dieser Familie im Online-Lexikon

Zurückgebogener Amarant (Amaranthus retroflexus)
Amarant – Zurückgebogener

Amarant – Zurückgebogener (Amaranthus retroflexus)
Essbar/essbare Teile | Der Zurückgebogene Amarant ist eine wärmeliebende, einjährige Ruderalpflanze, die ursprünglich aus Nordamerika stammt und heute in Mitteleuropa oft massenhaft auf Äckern und Schuttplätzen auftritt. Seine unscheinbaren, grünlichen Blüten drängen sich in dichten, dicken Scheinähren zusammen, die sich an der Spitze charakteristisch zurückneigen. Die jungen Blätter des Zurückgebogenen Amarants können vor der Blüte wie Spinat zubereitet werden, während seine winzigen, meist dunkelbraunen bis schwarzen Samen ein nahrhaftes Pseudogetreide liefern.

Futterrübe (Beta vulgaris)
Futterrübe (Beta vulgaris)

Futterrübe (Beta vulgaris)
Essbar/essbare Teile | Die Futterrübe ist eine zweijährige, landwirtschaftlich intensiv genutzte Kulturform der Gemeinen Rübe, die im ersten Jahr eine massige, nährstoffreiche Rübe (Speicherorgan) ausbildet. In der Nutztierhaltung dient die Futterrübe traditionell als wichtiges, leicht verdauliches und energiereiches Winterfutter für Rinder und Schafe. Botanisch zeichnet sie sich durch große, grundständige Blattrosetten und einen erst im zweiten Jahr erscheinenden, ausladenden Blütenstand aus.

Gänsefuß - Bastard (Chenopodiastrum hybridum)
Gänsefuß – Bastard

Gänsefuß – Bastard (Chenopodiastrum hybridum)
Essbar/essbare Teile | Der Bastard-Gänsefuß fällt durch seine auffällig großen, grob und spitz gezähnten Laubblätter auf, die in ihrer Form stark an die Blätter des giftigen Stechapfels erinnern. Als ausgesprochen stickstoffliebende Pionierpflanze besiedelt der Bastard-Gänsefuß bevorzugt gut gedüngte Schuttplätze, Gärten und offene Ackerflächen. Beim Zerreiben verströmt das Gewebe oft einen unangenehmen, an verrottenden Fisch erinnernden Geruch, was auf austretende flüchtige Amine zurückzuführen ist.

Gänsefuß - Weißer (Chenopodium album)
Gänsefuß – Weißer

Gänsefuß – Weißer (Chenopodium album)
Essbar/essbare Teile | Der Weiße Gänsefuß gehört weltweit zu den häufigsten Ackerwildkräutern und lässt sich gut an seinem mehligen, wasserabweisenden Überzug aus winzigen Blasenhaaren auf der Blattunterseite erkennen. Junge Triebe und Blätter des Weißen Gänsefußes eignen sich hervorragend als mildes Wildgemüse, das geschmacklich und in seiner Zubereitung dem eng verwandten Spinat gleicht. Die kohlenhydrat- und eiweißreichen Samen der Pflanze dienten bereits in prähistorischen Zeiten als wichtige, lagerfähige Nahrungsquelle.

Mangold (Beta vulgaris)
Mangold (Beta vulgaris)

Mangold (Beta vulgaris)
Essbar/essbare Teile | Der Mangold ist eine jahrhundertealte Kulturform der Rübe, bei der züchterisch nicht die Wurzel, sondern die stark entwickelten, oft farbenprächtigen Blätter und fleischigen Blattstiele im Fokus stehen. Je nach Sorte leuchten die kräftigen Stiele des Mangolds durch spezifische Betalain-Farbstoffe in intensivem Gelb, Rot oder Orange. Die großflächigen Laubblätter werden kulinarisch klassisch wie Spinat verarbeitet und benötigen für optimales Wachstum tiefgründige, sehr nährstoffreiche Gartenböden.

Melde - Spreizende (Atriplex patula)
Melde – Spreizende

Melde – Spreizende (Atriplex patula)
Essbar/essbare Teile | Die Spreizende Melde ist eine anpassungsfähige, einjährige Ruderalpflanze, deren primäres diagnostisches Merkmal die waagerecht abstehenden, stark spreizenden Seitenäste sind. Im Gegensatz zu den meist zwittrigen Blüten der Gänsefüße besitzt die Spreizende Melde stets eingeschlechtige Blüten, wobei die weiblichen Blüten von zwei markanten, spießförmigen und sich zur Fruchtzeit vergrößernden Vorblättern eingeschlossen werden. Vor der Samenreife lassen sich ihre milden, leicht fleischigen Laubblätter sehr gut als nahrhafte Bereicherung in Wildkräutersalaten oder Gemüsepfannen nutzen.

Rote Bete (Beta vulgaris)
Rote Bete (Beta vulgaris)

Rote Bete (Beta vulgaris)
Essbar/essbare Teile | Die Rote Bete ist eine klassische, zweijährige Wurzelgemüse-Kulturform, die durch einen extrem hohen Gehalt an dem roten Farbstoff Betanin tiefrot gefärbt ist. Im ersten Vegetationsjahr speichert die Rote Bete große Mengen an Kohlenhydraten und essenziellen Mineralstoffen in einer stark verdickten, fleischigen Rübe, die sich entwicklungshistorisch aus dem Hypokotyl und der Primärwurzel zusammensetzt. Neben ihrer enormen kulinarischen Bedeutung wird ihr ausgepresster Saft traditionell auch als kräftiges, natürliches Färbemittel in der Lebensmittelindustrie eingesetzt.

Zuckerrübe (Beta vulgaris)
Zuckerrübe (Beta vulgaris)

Zuckerrübe (Beta vulgaris)
Essbar/essbare Teile | Die Zuckerrübe ist eine ökonomisch hochgradig bedeutsame Kulturpflanze, die durch gezielte, intensive Züchtung im 18. und 19. Jahrhundert auf einen Saccharose-Gehalt von meist 15 bis 20 Prozent optimiert wurde. Der massiv verdickte, weißliche und kegelförmige Wurzelkörper der Zuckerrübe wächst tief in den Ackerboden hinein und benötigt für maximale Erträge tiefe, gut durchlüftete sowie nährstoffreiche Lössböden. Nach der großindustriellen Extraktion des Zuckers dienen die verbleibenden Rübenschnitzel oft als hochwertiges, rohfaserreiches Futtermittel in der Landwirtschaft.

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