Doldenblütler (Apiaceae)
Einblick in Pflanzenfamilien & Arten. Auf dieser Seite: Doldenblütler (Apiaceae). Heimische Vertreter und Beispiel-Arten für diese Familie.
Die Doldenblütler (Apiaceae) bilden eine weltweit verbreitete, in den gemäßigten Breiten der Nordhalbkugel besonders artenreiche Pflanzenfamilie innerhalb der Ordnung der Doldenblütlerartigen (Apiales). Ihr namengebendes und wichtigstes taxonomisches Merkmal ist der Blütenstand, der meist als auffällige Doppeldolde ausgebildet ist und zahlreiche kleine Einzelblüten in einer schirm- bis kugelförmigen Anordnung vereint.
Typische Merkmale der Familie
- Wuchsform: Überwiegend ein- bis ausdauernde krautige Pflanzen (Stauden), deren Stängel meist hohl, gerillt und deutlich knotig gegliedert sind.
- Blätter: Wechselständig angeordnet, meist stark gefiedert oder tief geteilt, wobei der Blattstiel an der Basis eine charakteristische, den Stängel umfassende Blattscheide bildet.
- Blüten & Blütenstand: Typischerweise zusammengesetzte Doppeldolden (selten einfache Dolden oder Köpfchen); die meist zwittrigen, fünfzähligen Einzelblüten besitzen freie Kronblätter und einen unterständigen Fruchtknoten mit einem oft deutlich sichtbaren fleischigen Griffelpolster (Stylopodium), das offen Nektar ausscheidet.
- Früchte: Eine als Doppelachäne bezeichnete Spaltfrucht, die bei Reife in zwei einsamige, oft gerippte oder geflügelte Teilfrüchte (Merikarpien) zerfällt, welche noch an einem zentralen Fruchthalter (Karpophor) hängen.
- Wichtige Inhaltsstoffe: Charakteristisch ist ein extrem hoher Gehalt an ätherischen Ölen in speziellen Exkretgängen, hinzu kommen oft toxische Polyine, stark giftige Alkaloide (wie Coniin) und photosensibilisierende Furanocumarine.
Verwendung & ökologische Bedeutung
Doldenblütler zählen zu den wichtigsten Nutz- und Gewürzpflanzen der Menschheit, da ihre ätherischen Öle in Arten wie Kümmel, Fenchel, Anis und Dill seit Jahrtausenden weltweit geschätzt werden. Gleichzeitig liefert die Familie bedeutende Kohlenhydratquellen durch Speicherwurzeln, wie sie bei der Karotte oder dem Pastinak züchterisch optimiert wurden. Ökologisch sind die frei zugänglichen Nektarien auf dem Griffelpolster der Dolden eine essenzielle Nahrungsquelle für unzählige kurzrüsselige Insekten, darunter Schwebfliegen, Käfer und Wildbienen. Allerdings erfordert das Sammeln wilder Doldenblütler höchste botanische Expertise, da die Familie auch extrem giftige Vertreter wie den Wasserschierling oder den tödlichen Gefleckten Schierling umfasst. Hinzu kommen Arten mit phototoxischen Furanocumarinen wie der Riesen-Bärenklau, die bei Hautkontakt in Verbindung mit Sonnenlicht (UV-Strahlung) schwerste, verbrennungsähnliche Blasen auslösen.
Wildpflanzen-Arten dieser Familie im Online-Lexikon
Bärenklau – Riesen (Heracleum mantegazzianum)
Stark giftig / Kontaktallergie | Der aus dem Kaukasus stammende Riesen-Bärenklau ist eine gigantische, mehrjährige krautige Pflanze, die als invasiver Neophyt heimische Ökosysteme bedroht. Alle Pflanzenteile enthalten stark photosensibilisierende Furanocumarine, die bei Hautkontakt und anschließender UV-Strahlung schwere, verbrennungsähnliche Blasen verursachen. Daher ist bei der Bekämpfung oder Begegnung mit dem Riesen-Bärenklau absolute Vorsicht und entsprechende Schutzkleidung geboten.
Bärenklau – Wiesen (Heracleum sphondylium)
Essbar/essbare Teile / Kontaktallergie | Der heimische Wiesen-Bärenklau ist eine robuste, ausdauernde Staude, die auf nährstoffreichen Wiesen und an Wegrändern weit verbreitet ist. Junge Blätter und geschälte Stängel der Wiesen-Bärenklau lassen sich hervorragend als würziges Wildgemüse verwenden, besitzen jedoch in geringerem Maße ebenfalls phototoxische Furanocumarine. Bei der Ernte an sonnigen Tagen können empfindliche Personen daher nach Hautkontakt leichte bis mittlere Hautreizungen entwickeln.
Giersch – Gewöhnlicher (Aegopodium podagraria)
Essbar/essbare Teile | Der Gewöhnliche Giersch ist eine ausdauernde, durch unterirdische Rhizome zur klonalen Ausbreitung neigende Pflanze, die von vielen Gartenbesitzern oft als hartnäckiges Beikraut gefürchtet wird. Dabei zählen die jungen, dreigeteilten Blätter des Gewöhnlichen Gierschs zu den wohlschmeckendsten und vitaminreichsten heimischen Wildkräutern, die geschmacklich an eine Mischung aus Petersilie und Karotte erinnern. Er besiedelt bevorzugt nährstoffreiche, halbschattige Standorte in feuchten Laubwäldern oder anthropogenen Anlagen.
Möhre – Wilde (Daucus carota subsp. carota)
Essbar/essbare Teile | Die Wilde Möhre ist die zweijährige Stammform unserer kultivierten Gartenkarotte und bevorzugt trockene, magere Wiesen sowie vollsonnige Ruderalflächen. Ein häufig auftretendes, charakteristisches Merkmal der Wilden Möhre ist die oft in der Mitte der weißen Doppeldolde sitzende, schwarzrote „Mohrenblüte“ sowie die sich bei Trockenheit im Fruchtzustand vogelnestartig einrollenden Doldenstrahlen. Ihre helle Pfahlwurzel ist im ersten Vegetationsjahr essbar, verholzt jedoch im zweiten Jahr während der Blütephase zusehends.
Pastinak – Wildform (Pastinaca sativa)
Essbar/essbare Teile | Der wildwachsende Pastinak ist eine zweijährige Halbrosettenpflanze, die sich durch ihre intensiv gelb blühenden Dolden deutlich von den meisten heimischen Doldenblütlern abhebt. Bevor die Kartoffel in Europa Einzug hielt, war die aromatische, stärkereiche Rübe des Pastinaks eines der wichtigsten und robustesten Grundnahrungsmittel der Bevölkerung. Die Pflanze bevorzugt kalkhaltige, lehmige Böden und verströmt beim Zerreiben der einfach gefiederten Blätter einen charakteristischen, süßlich-würzigen Duft.
Schierling – Gefleckter (Conium maculatum)
Stark giftig | Der Gefleckte Schierling ist eine hochgiftige, zweijährige Pflanze, die man botanisch gut an ihrem unangenehmen (beim Zerreiben wahrnehmbaren) Geruch nach Mäuseurin und den rot gefleckten, völlig unbehaarten Stängeln erkennt. Die gesamte Pflanze enthält das toxische Piperidin-Alkaloid Coniin, welches bei Verzehr relativ rasch zur vollständigen Atemlähmung bei vollem Bewusstsein führt. Bekanntheit erlangte der Gefleckte Schierling als tödlicher Hauptbestandteil des legendären Schierlingsbechers, durch den der griechische Philosoph Sokrates hingerichtet wurde.
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