Schilfrohr - Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden!

Bilder & Beschreibung der Graspflanze / des Grases, sowie Information über Vorkommen und Nutzung.

Das Schilfrohr ist eine weltweit verbreitete Art der Süßgräser (Poaceae) und wird auch allgemein als Schilf bezeichnet. Es werden drei Unterarten unterschieden, die alle auch in Europa vorkommen. Essbar/essbare Teile!

Informationskategorien zu diesem Gras

Gras-Kurz-Steckbrief "Schilfrohr"

Botanischer Name: Phragmites australis

Deutscher Name: Schilfrohr

Gattung: Schilfrohre (Phragmites)

Familie: Süßgräser (Poaceae)

Weitere Synonyme/Volksnamen: Schilf, Schilfgras, Reet, Röhricht, Gewöhnliches Schilf;

 

Hauptblütezeit: Juli bis September;

Blütenfarbe: braun bis violett;

 

Vorkommen: ist weltweit verbreitet;

Verbreitungsschwerpunkt: Das Schilfrohr kommt häufig und beständig in der Röhrichtzone stehender und langsam fließender Gewässer bis zu einem Meter Wassertiefe vor, daneben auch in Quellmooren, auf Moorwiesen oder in Erlenbruch- und Weidenauenwäldern. Es liebt nicht zu kalte Schlick- und Schlammböden, die stickstoffhaltig und basenreich sein sollten und verhältnismäßig sauerstoffarm sein können. Reißende Hochwässer erträgt es nicht.

 

Wuchshöhe: ca. 1,2 m bis 10 m (Höhe je nach Unterart);

Typisch: Halme mit langen, weit sichtbaren Rispen (Blüten);

 

Verwechslungsgefahr (mit Giftpflanzen): Pampasgras (Ziergras mit silbrigen Rispen (Blüten))

 

Unterarten: Manche Autoren unterscheiden folgende Unterarten:

  • Phragmites australis ssp. australis (bis vier Meter hoch)
  • Phragmites australis ssp. altissimus (Benth.) Clayton (bis 10 Meter hoch)
  • Phragmites australis ssp. humilis (De Not.) Kerguélen (bis 1,2 Meter hoch, wird aber auch zur Unterart subsp. australis gestellt)

Bilder "Schilfrohr" - Bestimmung

Beschreibung der Graspflanze / des Grases - Bestimmung

Das Schilfrohr ist ein Rhizom-Geophyt und eine Sumpfpflanze. Die Normalform, Phragmites australis, wird maximal vier Meter hoch. In der Hauptwachstumsperiode des Schilfrohrs verlängern sich die Rhizome an der Spitze täglich um bis zu drei Zentimeter. Die ältesten Rhizomteile sterben jeweils ab (Wurzelkriech- und Verlandungspionier).

Die Blätter des Schilfrohrs haben statt des Blatthäutchens (Ligula) einen Haarkranz. Die Abflachung der zunächst wie die Blattscheide röhrigen Spreite erfolgt durch ein Gelenk. Das Schilfrohr ist ein Rispengras. Die Blütenrispe kann bis zu 50 Zentimeter lang werden. Die Blütenährchen haben am Grunde männliche, darüber zwittrige Blüten. Die Blütezeit reicht von Juli bis September.

Die Ährchenachse der Früchte hat lange, abstehende Haare. Die winzigen Fruchtährchen verbreiten sich als Schirmchenflieger. Auch eine Schwimmausbreitung und eine Wasserhaftausbreitung ist möglich. Die Früchte sind frühestens im Dezember reif. Der Fruchtansatz ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich; er ist auch vom Standort abhängig. Die Früchte sind Lichtkeimer, die Keimungsrate liegt circa bei 80 Prozent. Die Keimfähigkeit bleibt 1–4 Jahre erhalten.

Die Benetzbarkeit der Blattoberfläche ist gering. Wasser perlt in Tropfen ab, wie es auch bei Lotosblumen beobachtet werden kann, und nimmt dabei auf der Oberfläche anhaftende Schmutzpartikel mit (Lotuseffekt).

Heilwirkung & medizinische Nutzung

Weder in der Schul-, Pflanzenmedizin noch in der Homöopathie nehmen Gräser eine große Rolle ein. (Natürlich bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel!) Schilfrohr wird in der TCM als schmerzlindernd, harntreibend und fiebersenkend beschrieben.

Essbarkeit & Verwendung in der Küche

✿ HINWEIS: Wirtschaftlich werden bei uns hauptsächlich Süßgräser genutzt, zu denen praktisch alle klassischen Getreidepflanzen zählen. Aber auch Binsen- und Sauergräser können für die Ernährung genutzt werden. Ihre Nutzung wird sich wohl auf Notzeiten beschränken, da es in "Überflusszeiten", viele praktischere Nahrungslieferanten gibt. Die folgenden Nutzungsmöglichkeiten, der verschiedenen Pflanzenteile, sind auf viele Gräser übertragbar. Innerhalb der drei Gräserfamilien (Sauergrasgewächse, Binsengewächse und Süßgräser), gibt es praktisch keine gefährlichen Vertreter. Die wenigen Ausnahmen leicht giftiger Arten fallen kaum ins Gewicht.

 

Blätter und Triebspitzen: Um stabile Halme zu erhalten, werden in diese meist Silikate eingelagert. Diese Silikateinlagerungen bedeuten für uns jedoch auch, dass die Grashalme ungenießbar sind. Kleine Mengen von Halmen und Blättern kann man zwar ohne Schwierigkeiten verzehren, bei regelmäßiger Aufnahme wird man sich jedoch die Mahlzähne bis auf die Wurzeln abnutzen. Außerdem kann unser Körper aus den Halmen keine Energie gewinnen. Blätter und Halme fallen somit für die Ernährungsbemühungen aus.

 

Blüten: Für die Ernährung unbedeutend.

 

Wurzeln: Manche Gräser bilden weitläufige und nahrhafte Wurzeln (Rhizome). Durch auskauen oder auskochen kann deren Energie verfügbar gemacht werden. (Besonders bei sehr kleinsamigen Pflanzen liegt das Hauptinteresse nicht bei den Samen, sondern in der Energie, die in den Rhizomen und Wurzeln gespeichert ist.)

 

Samen: Es sind wohl die Samen die den großen Beitrag zur Ernährung leisten können. Die meisten Samen von Wildgräsern sind nicht sehr groß. Sie können jedoch zu tausenden einfach gesammelt werden. Sie enthalten eine Menge Energie, meist in Form von Stärke.

 

Bei den meisten Gräsern ist es schwierig die Spelzen zu lösen (bei manchen gar unmöglich). In diesem Fall werden die Samen zu einem Brei zerstoßen und dann weiterverarbeitet. Grasblüten mit besonders spitzen Grannen (Härchen), können kurz auf Glut gelegt werden, um die scharfen Enden abzuflammen. Diese Behandlung schützt das Zahnfleisch, da ein Eindringen der spitzen Härchen verhindert wird.

 

Das Aufbrechen/Schroten/Zerstoßen der Samen macht ihre Energie oft erst zugänglich, da sie ohne diese Vorbehandlung unvertraut, und somit ungenutzt, ausgeschieden werden.

 

ACHTUNG: Häufig kommt es zu einem Befall der Gräser mit Pilzen. In vielen Fällen können die Pilze durch schwarze oder violette Fruchtkörper an den Ähren erkannt werden. Pflanzen mit solchen Veränderungen dürfen auf keinen Fall verwendet werden.

 

Geschmack: Die Samen erinnern in den meisten Fällen an Haferflocken. Manche Samen sind auch völlig geschmacksneutral. Die Rhizome und Wurzeln können leicht süßlich sein.

Geschichtliches / Wissenswertes

Die vegetative Vermehrung erfolgt in starkem Maße durch die bis zu 20 Meter langen Ausläufer sowie durch niederliegende, sich an den Knoten bewurzelnde Halme (Legehalme). Ganze „Schilfbestände“ stellen oft nur eine einzelne Pflanze dar. Im Donaudelta fand man Pflanzen, deren Alter auf ca. 8000 Jahre geschätzt wurde.

Im Wurzelstock der Pflanze konnten die psychoaktiven Entheogene Dimethyltryptamin (DMT) und Bufotenin nachgewiesen werden.

Videobeitrag zu "Schilfrohr" - Bestimmung

Quellen

Wildpflanzen - Online Lexikon A-Z | Übersicht

Wildpflanzen & Kräuter Online-Lexikon A-Z | Übersicht

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