Gewöhnlicher Löwenzahn - Bestimmen, sammeln und verwenden!

Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit.

Löwenzahn (Taraxacum) ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Die Anzahl der in der Gattung anzuerkennenden Arten variiert je nach Autor zwischen einigen zig und mehreren tausend. Ihr bekanntester Vertreter ist der heimische "Gewöhnliche Löwenzahn", die „Pusteblume“ oder „Butterblume“. Eben dieser wird folgend näher beschrieben. Essbar/essbare Teile!

Informationskategorien zu diesem Wild- & Wiesenkraut

Wildkraut-Kurz-Steckbrief "Gewöhnlicher Löwenzahn"

Botanischer Name: Taraxacum sect. Ruderalia / Taraxacum officinale

Deutscher Name: Gewöhnlicher Löwenzahn

Gattung: Löwenzahn (Taraxacum)

Familie: Korbblütler (Asteraceae)

Weitere Synonyme/Volksnamen: Löwenzahn, Pusteblume, Butterblume, Gemeine Kuhblume, Gebräuchlicher Löwenzahn, Wiesen-Löwenzahn, und eine Reihe weiterer regional sehr unterschiedlicher volkstümlicher Namen;

 

Hauptblütezeit: April bis Juli (aber auch weit davor und danach oft blühend anzutreffen);

Blütenfarbe: gelb;

Blütenform/Anzahl: viele Zungenblüten bilden ein tellerförmiges Körbchen;;
Frucht-/Samenreife: während der gesamten Blühperiode;

 

Vorkommen: Der Gewöhnliche Löwenzahn stammt ursprünglich aus dem westlichen Asien und Europa, ist aber, auch durch menschliches Zutun, weit auf der nördlichen Erdhalbkugel verbreitet. Auf der Südhalbkugel kommt er nur sporadisch und dann ausschließlich infolge einer Verschleppung vor.

Verbreitungsschwerpunkt: In Mitteleuropa ist er ein häufiges Wildkraut auf Wiesen, an Wegrändern und in Gärten. Als Ruderalpflanze besiedelt er schnell Brachflächen, Schutthalden und Mauerritzen.

 

Wuchshöhe: ca. 10 cm bis 30 cm (Einzelexemplare bis zu 40 cm);

Typisch: Körbchen einzeln, Stängel blattlos und hohl sowie Milchsaft führend, Fruchtstand kugelig, bis etwa 5 cm groß;

 

Sammelgut/essbare Teile: Wurzeln, Blätter, Stängel, Blütenknospen und Blüten;

Energiereiche Teile: Wurzel;

Inhaltsstoffe: Bitterstoffe wie Taraxacin, Eudesmolide und Sesquiterpene und daneben Triterpene, Flavonoide und Phenylcarbonsäuren. Löwenzahn besitzt außerdem einen relativ hohen Kaliumgehalt. Die Wurzel enthält 5x soviel Eiweiß, 8x soviel Vitamin C und doppelt soviel Kalium, Magnesium und Phosphor wie Kopfsalat.

Nötige Ver-/Bearbeitung: kann roh verwendet werden (ev. wegen Bitterstoffe wässern);

 

Verwechslungsgefahr (mit Giftpflanzen): Der Gewöhnliche Löwenzahn ist sehr leicht mit Pflanzen anderer Sektionen der Gattung Taraxacum zu verwechseln, da diese sehr ähnlich aussehen und manchmal nur durch die Form der Samen unterschieden werden können. Auch die ebenfalls Löwenzahn genannten Arten aus der Gattung Leontodon sowie das Gewöhnliche Ferkelkraut sind sehr ähnlich. Die Blütenstandsstiele dieser Pflanzen sind jedoch nicht hohl.

Bilder "Gewöhnlicher Löwenzahn" - Bestimmung

Beschreibung der Pflanze / Pflanzenbestimmung

Erscheinungsbild: Der Löwenzahn ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die eine Wuchshöhe von 10 cm bis 30 cm erreicht und in allen Teilen einen weißen Milchsaft enthält. Seine bis zu 1 Meter (selten auch bis 2 Meter) lange, fleischige Pfahlwurzel ist außen dunkelbraun bis schwarz. Sie geht in eine kurze, stark gestauchte Sprossachse über, auf der die Blätter dicht in einer grundständigen Rosette stehen. Nach einer Verletzung des Vegetationspunktes regeneriert sich die Pflanze aus der Wurzel und bildet dann meist mehrere Blattrosetten.

 

Blätter: Die 10 bis 30 cm langen Blätter sind eiförmig bis eilanzettlich, unregelmäßig stark gelappt und tief eingeschnitten und gezähnt. Einschnitte und Zähne sind von der Basis bis zu etwa zwei Drittel der Länge stark, weiter zur Blattspitze häufig geringer ausgeprägt.

Blüte: Den Blattachseln entspringen meist mehrere, bis zu 60 cm lange Blütenstandsstiele. Jeder ist eine blattlose, außen schwach befilzte, hohle Röhre. An ihrem oberen Ende stehen dicht spiralig verteilt 30 bis 40 abstehende Hochblätter, die bald austrocknen. Darüber bildet ein Wirtel aus Hüllblättern einen anfangs geschlossenen Schutz um die Blütenstandsknospe. Die Hüllblätter öffnen und schließen sich schützend mit dem Blütenstand und bleiben bis zur Fruchtreife grün.

 

Der Blütenstand ist eine Scheinblüte, in dem viele gelbe Zungenblüten zu einem tellerförmigen Körbchen von etwa drei bis fünf Zentimeter Durchmesser zusammengefasst sind. In ihm öffnen sich die Einzelblüten ringförmig von außen nach innen. In der mehrere Tage währenden Blütezeit schließt sich der Blütenstand jeweils bei Nacht, Regen oder Trockenheit und schließlich beim Verblühen. Nach mehreren Tagen öffnen sich die Hüllblätter letztmals bei Fruchtreife und entlassen zuerst die eingetrockneten und abgestoßenen Blütenhüllen der Zungenblüten. In Mitteleuropa ist die Hauptblütezeit von April bis Mai. In deutlich geringerer Anzahl erscheinen Blüten auch noch bis in den Herbst.

 

Früchte/Samen: Die Früchte, schlank tonnenförmige, mit haarigen Flugschirmen (Pappus) ausgestattete Achänen, werden durch den Wind ausgebreitet (Schirmflieger).

Heilwirkung & medizinische Nutzung

Folgende Pflanzenteile werden verwendet:

  • Löwenzahnkraut, Taraxaci folium (syn. Folium Taraxaci, Herba Taraxaci, Taraxaci herba)
  • Löwenzahnwurzel, Taraxaci radix (syn. Radix lentis leonis, Radix Taraxaci)
  • Löwenzahnwurzel mit Kraut, Taraxaci herba cum radice (syn. Taraxaci radix cum herba, Herba Taraxaci cum radice, Radix Taraxaci cum herba).

Die wichtigsten Wirkstoffe des Löwenzahns sind die Bitterstoffe. Sie fördern allgemein die Sekretion der Verdauungsdrüsen. Daneben wurde auch eine harntreibende Wirkung nachgewiesen, die möglicherweise auf die hohe Kaliumkonzentration zurückzuführen ist. Anwendung finden die Drogen bei Appetitmangel, Verdauungsbeschwerden mit Völlegefühl und Blähungen, bei Störungen im Bereich des Gallenabflusses und zur Anregung der Harnausscheidung bei entzündlichen Erkrankungen und Steinbildung.

 

Die Volksheilkunde nutzt die Drogen außerdem als leichtes Abführmittel, bei Diabetes, bei rheumatischen Erkrankungen und Ekzemen. Verarbeitet werden auch die frischen jungen Blätter zu Frühjahrskuren als Salat, Presssaft oder als Bestandteil im Smoothie. Die im Herbst geernteten inulinreichen Wurzeln dienen (heute wieder) geröstet als Kaffee-Ersatz.

Homöopathische Zubereitungen werden ebenfalls bei Lebererkrankungen und Verdauungsbeschwerden gegeben. In den hohen Potenzen ist bei der Homöopathie jedoch keine Wirksamkeit nachgewiesen.

Gegenanzeigen sind Gallensteinleiden sowie Verschluss der Gallenwege. Häufiger Kontakt mit dem Milchsaft der Pflanze kann zu Kontaktdermatitis führen. In der Volksheilkunde wird der Stängelsaft aber auch als Heilmittel gegen Warzen und Hühneraugen empfohlen.

 

✿ HINWEIS: Besonders in der Pflanzenheilkunde und Homöopathie werden Wild- und Wiesenkräuter viele verschiedene Heil- & Anwendungsbereiche zugeschrieben. Auf meinen Seiten werden Pflanzen in ihren Grundzügen vorgestellt und zugänglich gemacht. Wer sein Wissen um die Heilkräfte der Pflanzen vertiefen möchte, findet dazu eine Menge gut Literatur.

 

Meine bevorzugte Quelle für medizinisches Pflanzenwissen ist das Buch "Das große Buch der Heilpflanzen" von Apotheker M. Pahlow. In seinem Werk beschreibt Pahlow neben den Anwendungsbereichen von Schul-, Pflanzen- & Volksmedizin auch den Zugang der Homöopathie.

Essbarkeit & Verwendung in der Küche / Survival- & Outdoor Nahrung / Grüne-Smoothie-Tauglichkeit

Wurzeln: Aus der getrockneten Wurzel der Pflanze wurde in den Nachkriegsjahren ein Ersatzkaffee hergestellt. Diese Nutzungsart erfreut sich auch heute noch an Beliebtheit. Von September bis März kann man die Wurzeln geschnitten als Salat anrichten oder als Gemüse verwenden.

 

Blätter und Triebspitzen: Die jungen, nur leicht bitter schmeckenden Blätter können als Salat verarbeitet werden. Sind die Blätter schon älter können sie, fein geschnitten für ca. ein Stunde im kalten Wasser eingeweicht, entbittert werden und sind danach ebenfalls gut als Salat bzw. Salatbeigabe geeignet. Klein gehackt kann man die Blätter über Suppen und Eintöpfe streuen oder als Spinat, als Brotbelag, zu Kräuterkartoffeln, in Eierspeisen & Topfen (Quark) verwenden.

 

Blütenstängel: Die Blütenstängel eignen sich ebenfalls als Salatzutat (Österreich: „Röhrlsalat“) oder als Gemüse. Hierfür sollte man sie, am besten längsgeschnitten, wie die Blätter für ca. eine Stunde in Wasser ziehen lassen (entbittern).

 

Blüten: Die Blütenknospen eigenen sich eingelegt in Essig als Kapern oder gebraten als Gemüse. Die gelben Blüten eignen sich zur Herstellung eines wohlschmeckenden, honigähnlichen Sirups oder Gelees als Brotaufstrich. Man kann sie auch zu Gemüsegerichten geben oder als Tee bereiten. Gezupft sind die gelben Blütenblätter eine schöne essbare Speisendekoration.

Samen: xxx

 

Geschmack: Bis auf die Blüten schmecken alle Pflanzenteile chicoréeartig (bitterlich). Die Blüten schmecken süß und honigartig.

 

Tauglichkeit für Grüne-Smoothies: obwohl die Blätter merklich bitter schmecken passen sie dennoch (besonders junge Exemplare) auch in größerer Menge gut in den Smoothie. Auch die Blüten passen hervorragend in das Mixgetränk und können (auch wenn es dann kein Grün gibt ☺) eine alleinige "Grünbeigabe" stellen. Selbst die Stängel sind eine Bereicherung für den Smoothie!

 

✿ HINWEIS: Natürlich gibt es viele andere Verwendungsmöglichkeiten. Auf meiner Seite werden Pflanzen in ihren Grundzügen vorgestellt und zugänglich gemacht. Rezepte fehlen sogar gänzlich. Für Küchen- und Kochbegeisterte gibt es eine Menge gute Wildkräuter-Kochbücher.

 

Wenn du dich für den Bereich Survival-/Notnahrung interessierst, möchte ich dir den Zugang und die Werk von Johannes "Joe" Vogel ans Herz legen. Dieser geht weit über die "normale" Kräuterbestimmung hinaus und zeigt eine Vollversorgung aus der Wildnis auf.

Geschichtliches / Wissenswertes

Da einige Merkmale sehr plastisch sind, können sich die einzelnen Pflanzen stark den jeweiligen Standorten anpassen. So produzieren Pflanzen an ungestörten Standorten lange, schräg aufrecht gehaltene Blätter und bis zu 50 cm lange, aufrechte Blütenstandstiele. Pflanzen auf begangenen Wegen oder häufig gemähten Wiesen haben dagegen viel kürzere, dicht dem Boden aufliegende Blätter und niederliegende, manchmal nur wenige Millimeter lange Blütenstandstiele.

Durch das frühe Erscheinen seiner Blüten ist der Löwenzahn eine wichtige Bienenweide, die der Entwicklung der Bienenvölker im Frühjahr dient, bei größeren Vorkommen aber auch eine Frühtracht-Honigernte ermöglichen kann. Löwenzahnhonig hat ein kräftiges Aroma, ist im frischen Zustand goldgelb und dickflüssig und kandiert feinkörnig zu einem dann gelblichen Honig aus. Für ein Kilogramm Honig muss ein Bienenvolk über 100.000 Löwenzahnblütenbesuche durchführen.

Vor allem Kinder bedienen sich des Blütenstandsstieles, der, an einem Ende gespleißt, eine Minitröte ergibt. Reißt man den Blütenstandsstiel in Streifen und legt diese anschließend ins Wasser, bilden sich durch die unterschiedliche Saugfähigkeit der inneren und äußeren Wand Spiralen. Die Innenwand quillt stärker und bildet dadurch das Kurvenäußere.

Die vielen mundartlichen und umgangssprachlichen Bezeichnungen des Löwenzahns spiegeln seinen Bekanntheitsgrad wider. Einige dieser Namen beziehen sich auf seine harntreibende Wirkung (Diuretikum): Bettnässer, Bettpisser, Bettschisser, Bettseecher, Bumbein, Bumbaum, Hundeblume, Hundsblume, Kuhblume, Moadogga, Mühlenbuschen, Pissblume, Pisser, Pissnelke, Pusteblume, Rahmstock, in der Schweiz Chrottepösch(e), Weihfäcke (Federn einer Weihe), Milchblueme oder Söiblueme, in Frankreich pissenlit. Einige Bezeichnungen wie Maistock beziehen sich auch vor allem auf den Zeitraum der ersten Blüte.

Videobeitrag zu "Gewöhnlicher Löwenzahn" - Bestimmung

Quellen

Wildpflanzen Online-Lexikon A-Z | Übersicht

Wildpflanzen & Kräuter Online-Lexikon A-Z | Übersicht

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