Acker-Gänsedistel - Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden!

Steckbrief, Bilder & Beschreibung der Pflanze sowie ihrer essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit.

Die Gänsedisteln (Sonchus) bilden eine Pflanzengattung in der Unterfamilie der Cichorioideae innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Weitere Trivialnamen sind Milchdisteln oder Saudisteln. Zur Gattung gehören ca. 80 Arten, davon stehen einige unter Schutz oder sind schutzbedürftig. Auf dieser Seite wird als häufig vorkommender Vertreter, die "Acker-Gänsedistel" vorgestellt. (Von der Ackergänsedistel gibt es weitere Unterarten.) Essbar/essbare Teile!

Informationskategorien zu diesem Wild- & Wiesenkraut

Wildkraut-Kurz-Steckbrief "Acker-Gänsedistel"

Botanischer Name: Sonchus arvensis

Deutscher Name: Acker-Gänsedistel

Gattung: Gänsedisteln

Familie: Korbblütler (Asteraceae)

Weitere Synonyme/Volksnamen: xxx

 

Hauptblütezeit: Juli bis Oktober;

Blütenfarbe: gelb;

Blütenform/Anzahl: Korbblüten stehen in lockeren Doldenrispen;
Frucht-/Samenreife: Herbst;

 

Vorkommen: Diese Art ist in der gemäßigten Zone weltweit, und fast in ganz Europa verbreitet.

Verbreitungsschwerpunkt: Als Standort bevorzugt die Ruderalpflanze Wegränder, Gärten, Weinberge und Äcker, aber auch Sanddünen und Salzsümpfe. Generell ist die Acker-Gänsedistel etwas salzertragend und gilt als Lehmzeiger.

 

Wuchshöhe: ca. 50 cm bis 150 m;

Typisch: Blätter fiederspaltig mit breiten Buchten, am Rand fein stachelig gezähnt, Hülle der Blütenkörbchen gelblich drüsig behaart.

 

Sammelgut/essbare Teile: Triebe, Blätter, Blüten, Wurzeln, Samen;

Energiereiche Teile: Wurzeln, Samen;

Inhaltsstoffe: Bitterstoffe, Taraxasterol, Eisen, Vitamin C, zahlreiche Mineralstoffe, fette Öle;

Prozessierung: kann roh verwendet werden. Samen durch flammen von Flugschirmchen befreien. Gut kauen oder vor Verzehr auf andere Wege aufbrechen (da sonst enthaltenes Öl nicht verfügbar ist).

 

Verwechslungsgefahr (mit Giftpflanzen): mit Familienmitgliedern (und besonders mit der Unterart "Drüsenlose Acker-Gänsedistel");

Bilder "Acker-Gänsedistel" - Bestimmung

Beschreibung der Pflanze / Pflanzenbestimmung

Erscheinungsbild: Die mehrjährige krautige Pflanze, die einen Milchsaft enthält, erreicht Wuchshöhen zwischen 50 und 150 cm. Sie besitzt ein kriechendes Rhizom (Wurzelkriech-Pionierpflanze). Der Stängel ist erst im Bereich des Blütenstandes verzweigt.

 

Blätter: Die Stängelblätter sind glänzend grün, am Grund herzförmig abgerundet, tief in dreieckige Lappen geteilt bis schrotsägeförmig-fiederspaltig. Die oberen Blätter mit abgerundeten, angedrückten Öhrchen. Die Blätter werden bei starker Sonnenbestrahlung kompassartig gestellt: Die Flächen nach Ost/West und die Ränder nach Nord/Süd.


Blüten: Die goldgelben Blütenköpfe stehen in lockeren Doldenrispen und werden 4 bis 5 cm groß. Die Hülle und Köpfchenstiele sind dicht gelb-drüsenborstig. Blütezeit ist von Juli bis Oktober.

 

Früchte/Samen: Die Frucht ist dunkelbraun und beiderseits mit fünf Längsrippen versehen.

Heilwirkung & medizinische Nutzung

Die Gänsedistel wird heutzutage kaum als Heilpflanze verwendet. Weder die Schulmedizin noch die Volksheilkunde setzen sie ein. Früher war galt die Gänsedistel jedoch als wertvolle Heilpflanze und auch als Gemüse, weshalb sie sogar angebaut wurde.

Der verdünnte Milchsaft der Stängel und Blattadern soll früher innerlich bei Kurzatmigkeit, Leberschwäche, Fieber und Sodbrennen genutzt worden sein und äußerlich bei Ausschlägen, Hämorrhoiden und Entzündungen der Haut und unverdünnt bei Warzen. Also ähnlich wie der Milchsaft des verwandten Löwenzahns.

Tee aus den Blättern bereiteter Tee soll beruhigend wirken.

 

✿ HINWEIS: Besonders in der Pflanzenheilkunde und Homöopathie werden Wild- und Wiesenkräuter viele verschiedene Heil- & Anwendungsbereiche zugeschrieben. Auf meinen Seiten werden Pflanzen in ihren Grundzügen vorgestellt und zugänglich gemacht. Wer sein Wissen um die Heilkräfte der Pflanzen vertiefen möchte, findet dazu eine Menge gut Literatur.

 

Meine bevorzugte Quelle für medizinisches Pflanzenwissen ist das Buch "Das große Buch der Heilpflanzen" von Apotheker M. Pahlow. In seinem Werk beschreibt Pahlow neben den Anwendungsbereichen von Schul-, Pflanzen- & Volksmedizin auch den Zugang der Homöopathie.

Essbarkeit & Verwendung in der Küche / Survival- & Outdoor Nahrung / Grüne-Smoothie-Tauglichkeit

Wurzeln: Weiche Wurzelabschnitte können im Lauf der ganzen Vegetationsperiode klein geschnitten roh geknabbert oder als Wurzelgemüse gegart werden. Meist sind die Wurzeln jedoch schon recht fasrig. Dann könnte aus ihnen noch immer, durch kleinschneiden und Rötung, eine Art Kaffeeersatz gebraut werden.

 

Blätter: Zarte Blätter findet man von April bis September. Entweder man nutzt Jungblätter bei denen die Stacheln noch weich sind oder befreit ältere Blätter mit Hilfe einer Schere von ihren Stacheln.  So vorbereitet könne die Blätter als Grundlage für Salate dienen. Man nutzt sie jedoch auch zur Zubereitung von feinen Saucen, Suppen, Backgemüse, Eintopfgerichten und Risotto. Fein gehackt eigenen sie sich zusammen mit Basilikum gut für Pesto.

 

Triebspitzen und Blütenstängel: Die Stängel stellen ein gutes Wildgemüse dar. Sie stehen etwa ab April zur Verfügung und bleiben oft bis spät ins Jahr noch weich. Man kann sie somit fast die ganze frostfreie Periode lang ernten. Vor der Weiterverwendung befreit man die Triebe von den Blättern und schneidet die so gewonnen Stängel etwas klein. Die Stücke spült man mit Wasser um sie vom (ungiftigen - aber bitteren) Milchsaft zu befreien. Die so vorbereiteten Stängelteile können mit etwas Salz und Gewürzen zu einem delikaten Distelgemüse bereitet werden. Die gespülten Stängel können aber auch roh als knackige Salatbeigabe genutzt werden.

 

Blüten: Von etwa Juni bis Oktober können die gelben Zungenblüten (am besten diese mit einer Schere vom Blütenboden abschneiden) als essbare Dekoration für verschiedenste Speisen genutzt werden.

 

Samen: Die Samen enthalten fettes Öl. Um dieses für den Körper verfügbar zu machen müssen diese aufgebrochen werden. Um überhaupt an die "reinen" Samen zu kommen, müssen diese von den Flugschimchen befreit werden. Dies geht am besten durch abflammen. Danach die Samen entweder gut kauen oder mit Hilfsmitteln aufbrechen.

 

Geschmack: Gänsedistel erinnert im Geschmack an Kopfsalat. Erwähnenswert (da meist anders) ist, das Stängel wie Blätter auch spät im Jahr noch weich sind.

 

Tauglichkeit für Grüne-Smoothies: Die Pflanze ist mild/neutral und kann deshalb, ähnlich wie das Grün der fast immer verfügbaren Pflanzen Feldsalat, Vogelmiere, Brennnessel und Labkraut, auch in großer Menge Einzug in den Smoothie halten.

 

✿ HINWEIS: Natürlich gibt es viele andere Verwendungsmöglichkeiten. Auf meiner Seite werden Pflanzen in ihren Grundzügen vorgestellt und zugänglich gemacht. Rezepte fehlen sogar gänzlich. Für Küchen- und Kochbegeisterte gibt es eine Menge gute Wildkräuter-Kochbücher.

 

Wenn du dich für den Bereich Survival-/Notnahrung interessierst, möchte ich dir den Zugang und die Werk von Johannes "Joe" Vogel ans Herz legen. Dieser geht weit über die "normale" Kräuterbestimmung hinaus und zeigt eine Vollversorgung aus der Wildnis auf.

Geschichtliches / Wissenswertes

Die Acker-Gänsedistel ist eine Schaftpflanze oder ein Wurzelknospen-Geophyt mit weit reichenden ausläuferartigen Wurzeln, die 1 bis 2 m tief reichen.

Der Hüllkelch und die Körbchenstiele sind mit auffälligen gelben, gestielten Drüsen ausgestattet, die eventuell als Verdunstungsschutz, sicher aber als Aufstiegsschutz gegen unerwünschte Besucher dienen. Die Blüten sind nur vormittags geöffnet und werden von Bienen und Faltern bestäubt.

Bei einer mechanischen Entfernung des Rhizoms entstehen aus jedem im Boden verbleibenden Teilstück neue Pflanzen; die Pflanze gilt daher als schwer zu bekämpfendes Beikraut.

Videobeitrag zu "Acker-Gänsedistel" - Bestimmung

Quellen

Wildpflanzen Online-Lexikon A-Z | Übersicht

Wildpflanzen & Kräuter Online-Lexikon A-Z | Übersicht

ALLE beschriebenen Pflanzen (Wild- & Wiesenkräuter) auf einen Blick. Die Detail-Seiten bieten Steckbrief, Info essbar oder giftig?, Verwendung in Medizin/Heilkunde, Bilder für Bestimmung, ...