Gewöhnliche Robinie - Bestimmen, sammeln und verwenden!

Steckbrief, Bilder & Beschreibung des Baumes/Strauches sowie seiner essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit.

Die Robinien (Robinia) sind eine Pflanzengattung in der Unterfamilie Schmetterlingsblütler (Faboideae) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Die Gattung umfasst etwa vier (bis zehn) aus Nordamerika oder Mexiko stammende Arten. In Europa findet man häufig die aus Nordamerika eingeführte Gewöhnliche Robinie (Robinia pseudoacacia). Eben diese wird folgend näher beschrieben. Essbar/essbare Teile (jedoch Roh in fast allen Teilen giftig)!

Informationskategorien zu diesem Baum/Strauch

Baum/Strauch-Kurz-Steckbrief "Gewöhnliche Robinie"

Botanischer Name: Robinia pseudoacacia

Deutscher Name: Gewöhnliche Robinie

Gattung: Robinien (Robinia)

Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)

Weitere Synonyme/Volksnamen: Robinie, Weiße Robinie, Falsche Akazie, Scheinakazie, Gemeiner Schotendorn, Silberregen;

 

Hauptblütezeit: Mai bis Juni;

Blüten & Blütenfarbe: Weiß, in hängenden Trauben, zwittrig, 1,5-2,5 cm lang.

Früchte: Hülsen abgeflacht, zwischen den Samen etwas eingedellt, 5-10 cm lang mit 4-10 Samen. Früchte bleiben bis zu 1 Jahr nach der Reife am Baum.

 

Vorkommen: Die Gewöhnliche Robinie ist ein Baum, der ursprünglich im atlantischen Nordamerika beheimatet ist. Sie wächst dort als Pionierpflanze in Laubmischwäldern auf mäßig nährstoffreichen Sand- und Lehmböden in Höhenlagen von bis zu 1600 Metern. Die anspruchslose Robinie wurde durch den Menschen in zahlreichen Gebieten verbreitet, die nicht zu ihrem ursprünglichen Verbreitungsraum gehören. Sie ist damit eine sogenannte hemerochore Pflanze und zählt aufgrund ihrer Einführung nach 1492 in Europa zu den Neophyten. Sie ist heute in Europa, Nordafrika, West- und Ostasien zu finden.

Verbreitungsschwerpunkt: Die Robinie ist bei uns außerhalb der Wälder als Park- und Stadtbaum sowie „verwildert“ in trockenen Gebüschen, auf Brachflächen und entlang von Bahndämmen häufig vertreten. Die Robinie stellt nur geringe Anforderungen an den Boden und ist damit eine geeignete Baumart für die Wiederaufforstung von durch Übernutzung zerstörten Wäldern, und sie ist eine Pflanze, die eine weitere Bodenerosion verhindert.

 

Wuchshöhe: bis zu 25 Meter (Einzelexemplare bis 30 Meter - kommt auf Standort (frei/geschlossen) an);

Alter: ca. 100 Jahre (Einzelexemplare gar bis 200 Jahre);

Typisch: Die reinweißen Schmetterlingsblüten mit dem gelblichen Kelch bilden auffallend weiße, bis zu 15 cm lange Trauben, aus denen sich lange Hülsenfrüchte entwickeln.

 

Sammelgut: Blätter, Blüten, Samenschoten, Samen; (ACHTUNG: Bis auf die Blüten (und die sind umstritten) ROH in allen Teilen GIFTIG!)

Energiereiche Teile: Samen;

Inhaltsstoffe: In Blüten und Blättern: Glykoside, ätherisches Öl, Flavonoide, Gerbstoffe; In den Samen, Wurzeln und Rinde: Giftstoffe (Lectine).

Prozessierung: Vor der Verwendung des Laubes und der Samen/Samenschoten müssen die Giftstoffe entfernt werden. Diese können aufgrund ihrer Wasserlöslichkeit ausgeschwämmt werden. Hierzu weicht man die zu verwendenden Teile in Wasser ein und gießt dann das Einweichwasser ab. Auch durch Erhitzen auf 100 Grad werden die Lectine vermindert und unwirksam.

 

Verwechslungsgefahr (mit Giftpflanzen): xxx

Eigenschaft(en) des Holzes

Die umfangreiche Verbreitung, welche die Robinie mittlerweile gefunden hat, ist auf die wirtschaftlich attraktiv mögliche Nutzung ihres Holzes zurückzuführen.
Das gegen Holzfäule widerstandsfähige Holz ist gleichzeitig biegsam, fest und äußerst hart (Härte nach Brinell 46N/mm²). Es wird im Schiff- und Möbelbau, als Grubenholz, als Schwellenholz, im traditionellen Bogenbau wie auch in der Landwirtschaft (z. B. Weinbau: Stickel) verwendet. Es gilt als widerstandsfähiger und dauerhafter als Eichenholz. Da es auch ohne chemische Konservierungsbehandlung bei einer Nutzung im Außenbereich lange stabil bleibt, ist es beispielsweise für den Bau von Geräten auf Kinderspielplätzen und Gartenmöbeln gut geeignet. Darüber hinaus wird es oft im Rahmen der Schutzwaldsanierung zur vorübergehenden Verbauung genutzt. Hier werden oftmals Schneerechen und Dreibeinböcke aus diesem Holz gebaut.

Da der Einsatz von Robinienholz aufgrund dessen Eigenschaften eine Alternative zur Verwendung von Tropenhölzern darstellt, wird er derzeit forciert.

Das Holz der Robinie wurde im Bergbau zum Stützen der Stollen verwendet.

Bilder "Gewöhnliche Robinie" - Bestimmungshilfen

Beschreibung des Baumes/Strauches - Baumbestimmung

Erscheinungsbild: Die Gewöhnliche Robinie ist ein sommergrüner Baum mit rundlicher oder locker schirmartiger Krone, der im Freistand Wuchshöhen von 12 bis 20 m und im geschlossenen Bestand Wuchshöhen von 20 bis 30 m erreichen kann. Die Borke des Stamms ist graubraun bis dunkelbraun, tief gefurcht und häufig netzig-längsrissig. Die Äste stehen gedreht an einem kurzen Stamm, der zur Ausbildung einer Doppelkrone neigt. Der Baum ist weitgehend winterfrosthart.

 

Während der Blütenstandsbereich und die Krone meist ohne Dornen sind, sind besonders an den Schößlingen die Nebenblätter zu bis 3 cm langen, rotbraun gefärbten Dornen umgebildet.

Blätter: Die Gewöhnliche Robinie begrünt sich erst sehr spät im Frühjahr. Die wechselständigen und unpaarig gefiederten Laubblätter besitzen eine Länge von 15 bis 30 Zentimetern. Sie bestehen aus jeweils neun bis neunzehn eiförmigen Einzelblättchen, die sich durch kleine Gelenke bei großer Hitze senkrecht nach unten klappen können.

Blüte: Die Blüten der Gewöhnlichen Robinie erscheinen in den Monaten Mai bis Juni. Jeweils 10 bis 25 der stark bergamotteartig duftenden Blüten sind zusammengefasst in zwischen 10 und 25 Zentimeter langen, hängenden traubigen Blütenständen an den jungen Zweigen. Die Schmetterlingsblüten bieten reichlich Nektar und werden daher von vielen Insekten aufgesucht. Nektar und Staubbeutel werden gleichzeitig reif. Setzt sich ein Insekt auf die Blüte, tritt zuerst die Narbe heraus, die eventuell mitgebrachten Pollen vom Bauch abbürstet.

Früchte und Samen: Es werden seitlich stark abgeflachte Hülsen gebildet. Sie sind rotbraun, kurz gestielt, etwa fünf bis zehn Zentimeter lang und einen Zentimeter breit. Ihre Hülle ist pergament-ledrig. In den inneren Einbuchtungen der Hülsen liegen etwa vier bis zwölf Samen. Diese Samen, die im September ausgereift sind, sind sechs bis sieben Millimeter lang, braun, glatt und sehr hartschalig. Die sie umgebende Hülse reißt allmählich während des Winters entlang der Rücken- sowie der Bauchnaht auf. Da die Früchte mitunter bis in das nächste Frühjahr am Baum hängen bleiben, zählt die Gewöhnliche Robinie zu den sogenannten Winterstehern.

Heilwirkung & medizinische Nutzung

Die Blüten (bzw. die Teebereitung aus diesen) sollen galltreibend, krampflösend und allgemein kräftigend wirken. Homöopatisch wird die Rinde junger Zweige bei zu viel Magensäure angewendet. Ferner bei Migräne und Gesichtsneuralien.

 

✿ HINWEIS: Besonders in der Pflanzenheilkunde und Homöopathie werden auch Bäumen viele verschiedene Heil- & Anwendungsbereiche zugeschrieben. Auf meinen Seiten werden Bäume und Sträucher in ihren Grundzügen vorgestellt und zugänglich gemacht. Wer sein Wissen um die Heilkräfte der Bäume vertiefen möchte, findet dazu eine Menge gut Literatur.

 

Meine bevorzugte Quelle für medizinisches Pflanzenwissen ist das Buch "Das große Buch der Heilpflanzen" von Apotheker M. Pahlow. In seinem Werk beschreibt Pahlow neben den Anwendungsbereichen von Schul-, Pflanzen- & Volksmedizin auch den Zugang der Homöopathie.

Essbarkeit & Verwendung in der Küche / Survival- & Outdoor Nahrung

ACHTUNG: Die ganze Pflanze (bis auf die Blüten) gilt als stark giftig, besonders aber die Rinde und die Früchte. Wie bei Bohnen sollten Laub und Früchte nur Verarbeitet verwendet werden. Roh führen diese Pflanzenteile aufgrund der enthaltenden Giftstoffe (Lectine) zu Übelkeit. Durch Erhitzen geht die Toxizität des Robins verloren. Auch eine natürliche Immunität gegen diese Antigene ist möglich.

Blätter: Die durch gegen die Wuchsrichtung abgestreiften Einzelblätter können (gemeinsam mit anderem geeigneten Blattgrün) zu Spinat verkocht werden. Sie können auch als Kochgemüse oder Gemüsefüllung verarbeitet werden.

 

Blüten: Frische Blüten dienen als Aroma für Speiseeis, Gebäck, Spirituosen, zur Teebereitung und als Grundlage für süße Aufstriche. Außerdem kann man sie im Teigmantel ausbacken oder mit Zucker kandieren. Im Mai werden die noch geschlossenen Blütenknospen wie Kapern sauer eingelegt.

 

Früchte: Samenschoten: Kleine junge Samenschoten (etwa im Juli - da sind sie noch wenig fasrig) können wie grüne Bohnen zubereitet werden. Ab August werden die Schoten zäh, sodass man nur mehr die inneren Samen nutzen kann. Diese werden wie Erbsengemüse zubereitet oder getrocknet zu Mehl vermahlen. Das so gewonnene Mehl wir gemischt mit Getreidemehl in üblicher Weise verwendet. Man kann die getrockneten Samen auch schroten, rösten und als Kaffee-Ersatz nutzen.

 

Geschmack: Blätter und Blüten erinnern gekocht stark an Erbsen. Die Blüten sind erfrischend fruchtig.

 

✿ HINWEIS: Natürlich gibt es viele andere Verwendungsmöglichkeiten. Auf meiner Seite werden Bäume und Sträucher in ihren Grundzügen vorgestellt und zugänglich gemacht. Rezepte fehlen sogar gänzlich. Für Küchen- und Kochbegeisterte gibt es gute Literatur die auch Bäume küchen- und kochtechnisch behandeln.

 

Wenn du dich für den Bereich Survival-/Notnahrung interessierst, möchte ich dir den Zugang und die Werk von Johannes "Joe" Vogel ans Herz legen. Dieser geht weit über die "normale" Kräuterbestimmung hinaus und zeigt eine Vollversorgung aus der Wildnis auf.

Geschichtliches / Wissenswertes

Die Gewöhnliche Robinie verbreitet ihre Samen durch den Wind (sogenannte Anemochorie), jedenfalls so lange sie noch in den Hülsen oder Hülsenhälften hängen. Die Ausbreitungsdistanz, die die Samen der Pflanze auf diese Weise überwinden können, ist wegen ihres hohen Gewichts verhältnismäßig gering. Nur selten werden die Samen über eine weitere Strecke als 100 Meter verbreitet. Einzelsamen gehen auch bei Wind nur in der unmittelbaren Umgebung des Mutterbaumes zu Boden.

Die Gewöhnliche Robinie zählt als bedeutende Frühsommertrachtpflanze zu den sogenannten Bienenweidepflanzen. Robinienblüten liefern sehr reichhaltig Nektar mit einem Zuckeranteil zwischen 34 und 59 Prozent, eine einzelne Robinienblüte produziert in 24 Stunden Nektar mit einem Zuckergehalt von 0,2 bis 2,3 mg. Durchschnittlich lassen sich je Baum und Blühsaison Honigerträge zwischen 0,66 und 1,44 kg erzielen.

Durch den Verzehr von Samen und das Kauen der Wurzeln sind vereinzelt Vergiftungen mit zum Teil tödlichem Ausgang aufgetreten. Giftinformationszentren berichten über Fälle, bei denen schon nach Einnahme von vier bis fünf Samen Vergiftungserscheinungen in Form von Brechreiz auftraten, 30 – dann wahrscheinlich unzerkaut geschluckte – Samen aber auch schon symptomlos vertragen wurden.

Videobeitrag zu "Gewöhnliche Robinie" - Bestimmungshilfe

Quellen

Bäume & Sträucher A-Z

Bäume & Sträucher A-Z | Übersicht

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