Gewöhnliche Fichte - Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden!

Bilder & Beschreibung des Baumes/Strauches sowie seiner essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit.

Die Fichten (Picea) sind eine Pflanzengattung in der Familie der Kieferngewächse (Pinaceae) und umfasst, je nach Autor, 28 bis 56 Arten. Die einzige in Mitteleuropa heimische Art ist die Gemeine Fichte (Picea abies), die wegen ihrer schuppigen, rotbraunen Rinde fälschlich auch als „Rottanne“ bezeichnet wird. Die Fichten bilden alleine die Unterfamilie Piceoideae. Auf dieser Seite wird eben die bei uns heimische "Gewöhnliche Fichte" beschrieben. Essbar/essbare Teile!

Informationskategorien zu diesem Baum/Strauch

Baum/Strauch-Kurz-Steckbrief "Gewöhnliche Fichte"

Botanischer Name: Picea abies

Deutscher Name: Gemeine Fichte

Familie: Kieferngewächse (Pinaceae)

Weitere Synonyme/Volksnamen: Gewöhnliche Fichte, Rotfichte, Rottanne;

 

Blätter (Nadeln): 1 - 2,5 cm lang, 1 mm dick, im Querschnitt rautenförmig, daher kantig, zugespitzt, steif, stechend, wirtelig oder undeutlich gescheitelt.
Blüten & Blütenfarbe: m.: erst rot, später gelb; w.: rötlich;
Hauptblütezeit: Mai bis Juni;
Früchte/Samen: Zur Reifezeit bräunlich hängende Zapfen, 10 - 15 cm lang, 3 - 4 cm dick, immer etwas harzig. Samen 4 - 5 mm lang, mit 1,5 cm langem und 6-7 mm breitem Flügel.
Fruchtreife/Erntezeit: September bis November;

 

Vorkommen: Die Heimat der Gemeinen Fichte erstreckt sich über fast ganz Europa mit Ausnahme der Britischen Inseln und der Iberischen Halbinsel bis weit in das kontinentale Asien. Sie kommt vor allem in Mittel-, Ost- und Nordeuropa vor. Sie ist von den Alpen bis auf den Balkan verbreitet, kommt in den Mittelgebirgen und den Karpaten vor, und weiter nach Norden und Osten in Polen, Russland und Skandinavien.

Verbreitungsschwerpunkt: An Stellen mit lockerem, humosem, winterkaltem Boden in feuchten Klima. Bestandsbildend bis in eine Höhe von 800 Meter.

 

Wuchsform: immergrüner Baum;
Wuchshöhe: 40 Meter (in Ausnahmen bis 50 Meter)
Typisch: die stechenden Nadeln, die herabhängenden Zapfen und der gerade, säulenförmige Stamm;
Rinde/Borke: die Rinde bei Fichte ist hellbraun, mit zunehmenden Alter rötllichgrau bis rotbraun werdend, bis etwa 10mm stark und sich in rundlichen Schuppend lösend;
Alter: 200-300 Jahre (Einzelexemplare auch 500-600 Jahre);

 

Sammelgut/essbare Teile: Triebspitzen, Kambium, Zapfen, Blütenknöspen, Samen, Nadeln;

Energiereiche Teile: Samen;

Hauptsammelzeit: März bis August;

Inhaltsstoffe: Ätherisches Öl mit den Monoterpenen Bornylacetat, Pinen, Limonen, Camphen und Phellandren, Terpentinöle und Harze. 

Prozessierung: xxx

 

Verwechslungsgefahr (mit Giftpflanzen): Eibe, Tanne;

Eigenschaft(en) des Holzes

Fichtenholz ist leicht und weich, besitzt aber im Verhältnis zu dem geringen Gewicht gute Eigenschaften hinsichtlich Festigkeit und Elastizität.

Das Holz schwindet wenig und verfügt in trockenem Zustand über ein gutes Stehvermögen. Seine geringe natürliche Dauerhaftigkeit wird dadurch wettgemacht, dass es sich gut mit Anstrichen versehen lässt. Die Tränkbarkeit von Fichte ist jedoch vergleichsweise gering.

 

Fichte lässt sich allgemein mit allen Maschinen und Werkzeugen gut bearbeiten. Es lässt sich gut sägen, hobeln, bohren, schleifen und auch gut messern und schälen sowie spalten und zerspanen. Nagel- und Schraubverbindungen bereiten keine Probleme ebenso wie die Verleimung. Anstriche lassen sich gut aufbringen, Imprägnierungen sind vor allem beim Kernholz schwierig.

 

Anwendungen: Bau- und Konstruktionsholz, Innenausbau, Möbel, Herstellung von Holzwerkstoffen;

Bilder "Gewöhnliche Fichte"

Beschreibung des Baumes/Strauches - Bestimmung

Erscheinungsbild/Eigenschaften: Die Gewöhnliche Fichte ist ein aufrecht wachsender immergrüner Baum, der Wuchshöhen von bis zu etwa 40 Meter erreichen kann; unter besonderen Bedingungen wurden schon 50 bis maximal 62 Meter gemessen. Damit ist sie neben der Weißtanne (Abies alba) der größte in Europa heimische Baum. Die Gemeine Fichte kann Stammdurchmesser bis 1,5 Meter erreichen.

 

Die Wurzelbildung der Gemeinen Fichte ist von der Bodenbelüftung abhängig. Auf schweren Böden, bei Staunässe und hohem Grundwasserspiegel entwickelt sie ein tellerförmiges, flaches und weitstreichendes Wurzelsystem, was eine erhöhte Windwurfgefährdung zur Folge hat. Sind die Böden tiefgründig und gut durchlüftet, bildet sich ein oft mehrere Meter tief reichendes und reich verzweigtes Wurzelsystem, allerdings ohne Pfahlwurzel, aus.

 

Die Krone der Gewöhnlichen Fichte bildet sich um den gerade wachsenden Stamm kegelförmig aus. Die Zweige sind quirlig angeordnet. Während sie in der oberen Stammhälfte gewöhnlich aufrecht oder gerade ausgerichtet sind, hängen sie in der unteren Stammhälfte meist gebogen nach unten. Letzteres ist besonders gut bei älteren Bäumen zu beobachten. Bäume im Freistand behalten ihre grünen Zweige lange Zeit bis zum Boden und wachsen so als Mantelfichten.

 

Der Stamm zeigt in tieferen Lagen eine rötlich-braun gefärbte, feinschuppige Rinde, wogegen in Gebirgslagen die rötliche Farbe eher Grautöne annimmt. Die auffällige Rindenfärbung ist offenbar für die botanisch irreführende Bezeichnung „Rottanne“ verantwortlich. Die graubraune Borke älterer Bäume ist ein gutes Unterscheidungsmerkmal zur hellgrauen Rinde der Weiß-Tanne. Fichtenborke blättert in unregelmäßigen Schuppen ab, der Stamm der Weiß-Tanne ist wesentlich glatter.

 

Blätter (Nadeln): Die Nadeln stehen ausschließlich an Langtrieben. Sie sind stechend-spitz und im Querschnitt vierkantig, im Schatten etwas abgeflacht. Bei gesunden Bäumen werden die Nadeln 4 bis 7 Jahre alt, im Hochgebirge auch älter. Die Nadeln der gemeinen Fichte weisen meist eine Länge zwischen ein bis zwei Zentimetern und eine Breite von einem Millimeter auf. Bis auf eine schmale Naht an der Zweigunterseite verteilen sie sich rund um den Zweig. Sie sitzen an braunen Stielen. Beim Nadelabfall verbleibt der mit der Sprossachse verwachsene Blattgrund (Blattkissen) am Zweig. Die Zweige fühlen sich deshalb raspelig und rau an. Dieses ist auch ein Unterscheidungsmerkmal an älteren Zweigen gegenüber der Weiß-Tanne.

 

Blüten: Die gemeine Fichte entwickelt zwischen Mai und Juni, häufig nur im Abstand von drei bis vier Jahren, Blütenknospen und Blüten.

 

Die schlanken, einhäusigen Knospen sind hellbraun gefärbt und kegelig geformt. Die einen Zentimeter großen männlichen Blüten stehen einzeln und werden bei älteren Bäumen an den Spitzen der Zweige des Vorjahres ausgebildet. Ihre Farbe geht allmählich von karminrot in gelb über. Die weiblichen Blüten stehen in Zapfen zusammen. Sie befinden sich bei jüngeren Bäumen dicht gedrängt in den oberen Astquirlen, bei älteren Exemplaren verteilen sie sich, kleinen roten, aufrechtstehenden Zapfen ähnelnd, über die gesamte Baumkrone. Die Einzelblüte besteht aus einem flachen Fruchtblatt und einem häutig bleibenden Tragblatt, der Deckschuppe. Das Fruchtblatt verholzt später zu einer festen Samenschuppe.

 

Früchte/Samen (Zapfen): Die Zapfen benötigen ein ganzes Jahr, um zur Samenreife zu gelangen. Die saftig rötlich-grünen Zäpfchen wandeln sich allmählich in die bekannten braunen, nach unten hängenden, trockenen und holzigen Zapfen. Diese weisen eine Länge von etwa 10 bis 15 Zentimetern und eine Breite von 3 bis 4 Zentimetern auf und werden nach der Reife bald als Ganzes abgeworfen. Die fettreichen Samen sind geflügelt. Bei den gemeinhin bekannten „Tannenzapfen“, die am Waldboden zu finden sind, handelt es sich um Fichtenzapfen, denn Tannen werfen ihre Zapfen nicht als Ganzes ab.

Heilwirkung & medizinische Nutzung

Als Heildroge dienen Fichtennadelöl Piceae aetherolium (DAB), das aus den Nadeln, Zweigspitzen oder aus den Ästen aus frischen Fichtentrieben gewonnen werden kann.

 

Der wässrige Auszug aus frischen Sprossen ergibt den Fichtennadelextrakt, Pinus abies (hom).

 

Anwendungen: Das ätherische Öl verwendet man ähnlich wie das von Abies alba bei Infekten der Atemwege und bei rheumatischen Beschwerden.

 

Franzbranntwein wie auch geruchsverbessernde Raumsprays mit „Tannenduft“ enthalten häufig Fichtennadelöl.

 

✿ HINWEIS: Besonders in der Pflanzenheilkunde und Homöopathie werden auch Bäumen viele verschiedene Heil- & Anwendungsbereiche zugeschrieben. Auf meinen Seiten werden Bäume und Sträucher in ihren Grundzügen vorgestellt und zugänglich gemacht. Wer sein Wissen um die Heilkräfte der Bäume vertiefen möchte, findet dazu eine Menge gut Literatur.

 

Meine bevorzugte Quelle für medizinisches Pflanzenwissen ist das Buch "Das große Buch der Heilpflanzen" von Apotheker M. Pahlow. In seinem Werk beschreibt Pahlow neben den Anwendungsbereichen von Schul-, Pflanzen- & Volksmedizin auch den Zugang der Homöopathie.

Essbarkeit & Verwendung in der Küche / Survival- & Outdoor Nahrung / Grüne-Smoothie-Tauglichkeit

Triebspitzen: Die jungen Triebspitzen nutzt man als säuerliches Gewürz oder Erfrischung beim Wandern. Man erntet sie am besten von April bis Mai, da ist der Trieb noch weich. Man kann sie als Tee aufgießen, Spirituosen aromatisieren, und allerlei Speisen erfrischend würzen. 

 

Kambium: Von März bis April kann man das zarte Rindenkambium in sehr dünne Streifen geschnitten, als eine Art Nudelgericht kochen. WICHTIG: Kambium nur von bereits gefällten Bäumen nutzen, denn Rindenverletzungen können dem lebenden Baum erhebliche Schäden zufügen.

 

Blütenknospen: Von April bis Mai können die jungen männlichen Blütenknospen als Gewürz für Kraut- und Bratgerichte verwendet werden.

 

Samen: Im Herbst kann man aus den kleinen geflügelten Samen Öl gewinnen, oder sie - ohne Flügel - einfach so naschen. Am besten sammelt man die noch geschlossenen Zapfen, legt sie warm ab und wartet bis sie sich öffnen. Dann kann man die Samen leicht heraus schütteln.

 

Nadeln: Die schon harten Nadeln verwendet man von Juli bis August als Trockengewürzspieße (für Rouladen und ähnliches)

 

Geschmack: Der Grundgeschmack von weichen Pflanzenteilen ist zitronenartig, die ausgereiften Teile schmecken typisch armomatisch.

 

Tauglichkeit für Grüne-Smoothies: Die Pflanze ist ein typisches Würzkraut und sollte deshalb nicht über das Würzmaß hinaus in den Smoothie. So eingesetzt kann sie jedoch, gepaart mit neutralem Grün (z.B.: mit den fast immer verfügbaren Grün von Vogelmiere, Brennnessel, oder Labkraut), ein sehr interessantes Smoothie-Erlebnis bieten.

Geschichtliches / Wissenswertes

Bis in die Sechziger Jahre war die Gemeine Fichte der vorherrschende Weihnachtsbaum in Deutschland. Da sie jedoch rasch nach dem Einschlag ihre Nadeln verliert, wurde sie seitdem als solcher durch robustere Bäume wie die Nordmann-Tanne und die Blaufichte weitgehend verdrängt.

 

Aus den Baumnadeln gewinnt die Parfümindustrie das Fichtennadelöl, welches durch Wasserdampfdestillation aus frischen Fichtennadeln (oft irreführend „Tannennadeln“ genannt), den nadeltragenden Zweigen und kleinen Ästen gewonnen wird. Um 1 kg Fichtennadelöl herzustellen, werden etwa 500 kg Fichtennadeln benötigt. Der Duft ist spezifisch, harzig-würzig und kräftig-ausstrahlend.

Videobeitrag zu "Gewöhnliche Fichte"

Quellen

Bäume & Sträucher A-Z

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