Rotbuche - Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden!

Steckbrief, Bilder & Beschreibung des Baumes/Strauches sowie seiner essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit.

Die Buchen (Fagus) sind die einzige Pflanzengattung der Unterfamilie der Fagoideae innerhalb der Familie der Buchengewächse (Fagaceae). Die etwa (je nach Autorenauffassung) zehn Arten besitzen eine weite Verbreitung in der nördlichen gemäßigten Zone in Nordamerika und Eurasien. Auf dieser Seite wird die, bei uns heimische und oft zu findende, "Rot-Buche" beschrieben. Essbar/essbare Teile!

Informationskategorien zu diesem Baum/Strauch

Baum/Strauch-Kurz-Steckbrief "Rotbuche"

Botanischer Name: Fagus sylvatica

Deutscher Name: Rot-Buche, Rotbuche;

Gattung: Buchen (Fagus)

Familie: Buchengewächse (Fagaceae)

Weitere Synonyme/Volksnamen: Rot-Buche,  Blutbuche, Gemeine Buche, Gewöhnliche Buche;

 

Blütenfarbe & Blüten: Männliche Blüten in hängenden Büscheln, vielblütig; weibliche Blüten zu 2 in einer vier-klappigen Hülle, die zu einem holzigen Becher wird.

Hauptblütezeit: April bis Mai;

Früchte/Samen: Bucheckern (Nußfrüchte), ca 2 cm lang.

Fruchtreife/Erntezeit: ab September;

 

Vorkommen: Während der letzten Eiszeit wurde die Rotbuche aus Mitteleuropa verdrängt. Sie überlebte im Mittelmeerraum und begann ihre Rückeroberung des europäischen Verbreitungsgebietes vor etwa 10.000 Jahren. Das Verbreitungsgebiet der Rotbuche reicht heute von Süd-Skandinavien bis Sizilien. Im östlichen Mitteleuropa und im südlichen Skandinavien kommt sie bis in Höhenlagen von 500 m vor; in Westeuropa bis 800 m und in den südlichen Alpen bis in 1000 m.

Verbreitungsschwerpunkt: Die Rotbuche bevorzugt nährstoffreiche, schwach saure bis kalkreiche, bindige, mäßig podsolierte Sand- bis Lehm­böden. In trockeneren Regionen ist sie an bindige (lehmige) Böden gebunden. Staunässe und stark schwankende Grundwasserspiegel, wie sie im Auwald vorherrschen, sind ebenso wenig geeignet wie lange Dürreperioden.

 

Wuchsform: Baum;

Wuchshöhe: bis zu 30 Meter (selten bis 45 Meter)

Typisch: Die graue, glatte Rinde, länglich elliptische Blätter und glänzend dunkelbraune Nussfrüchte in stacheliger Hülle.

Rinde/Borke: Rinde der Rotbuche ist bastfaserfrei, glatt, graugrün. Nur ausnahmsweise zeigen sich im unteren Stammteil Längs- und Querrisse. Als Rinderknolle oder Chinesenbart bezeichnet man erbsen- bis walnußgroße, holzige, dunkle, nach oben gewölbte Linien oder Kugeln in der Rinde, die auf eine abnorme Entwicklung schlafender Augen oder Äste zurückzuführen sind.

Alter: 200 bis 300 Jahre (selten bis 400 Jahre, Einzelexemplare sogar 600-800 Jahre)

 

Sammelgut/essbare Teile: Blätter, Früchte, Kambium, Keimlinge; ACHTUNG: Der Verzehr von rohen Früchten kann zu Unvertäglichkeiten (Kopf- & Magenschmerzen) führen.

Energiereiche Teile: Früchte (Nüsse)

Inhaltsstoffe: In den Früchten: bis zu 45% fettes Öl, 40% Stärke, viel Eiweiß (25%), Vitamin B6 und C, Alkaloide und Fagin.

Prozessierung: Nüsse sollten geröstet werden. So auch in größeren Mengen verträglich.

 

Verwechslungsgefahr (mit Giftpflanzen): von den Blättern her ev. mit der Hainbuche;

Eigenschaft(en) des Holzes

Eigenschaften: Das dichte Holz ist hart, sehr zäh, nicht witterungsbeständig. Buche lässt sich sauber bearbeiten, gut drehen,und leicht spalten. Trotz seiner Härte ist Buche leicht entflammbar. Holzstaub führt zu Hautreizungen, Asthma, Krebserregend. Farben, Lacke und Leim werden gut angenommen. Schrauben und Nägel halten gut, allerdings empfiehlt sich wegen der Gefahr der Rißbildung Vorbohrung.

Merkmale: Zerstreutporig, Poren klein. Markstrahlen der Buche sind breit und deutlich, Sie bilden im Radialschnitt die typischen hellbraunen Spiegel.

Verwendung: Stark beanspruchte Gebrauchsmöbel (Stühle, Tische und Gestelle), der Innenausbau (Treppen, Parkett, Holzpflaster, Trennwände), Eisenbahnschwellen, Küchen- und Haushaltsgeräte aller Art, Spielwaren, Werkzeugteile und -stiele, Drechslerwaren, Modellbau, Klavierbau, Verpackungen einschließlich Paletten, Span- und Faserplatten, Sperrholz und im Waggonbau. Buche ist Dank seiner Heizkraft auch als Brennholz beliebt.

Bilder "Rotbuche" - Bestimmungshilfen

Beschreibung des Baumes/Strauches - Bestimmung

Erscheinungsbild/Eigenschaften: Die Rotbuche wächst als sommergrüner Baum und kann Wuchshöhen von bis zu 30 m, im dichten Wald auch bis zu 45 m erreichen. Der Stammdurchmesser kann im Freistand bis 2 m betragen. Sie kann bis zu 300 Jahre alt werden; in Einzelfällen wurden auch ältere Exemplare gefunden.

Die Krone einer ausgewachsenen Buche kann bis zu 600 m² beschatten, sie blüht und fruchtet in einem Alter von etwa 30 bis 200 Jahren. Im Alter von unter 30 bis 50 Jahren ist sie auf idealen Standorten mit einem Jahreshöhenzuwachs von 40 bis 70 cm schnellwachsend, mit leicht schütterer und aufrechter Krone sowie zunächst deutlich seitlich wachsenden Zweigen.

Die dünne Rinde der jungen Zweige ist anfangs dunkelgrün bis schwarz und glatt, aber schon nach wenigen Wochen wird sie heller. An Ästen und Stamm ist sie meist hellgrau mit über Jahrzehnte sichtbaren Narben bereits abgefallener Zweige, die am Stamm wie kleine Runzeln aussehen. Beim Dickenwachstum des Stammes und der Äste dehnt sich die Rinde mit, wobei sie erst feinste Längsrisse bildet. Das absterbende Phellem, der sogenannte Kork, schuppt nicht deutlich ab, sondern zerfällt zu feinem, hellgrauem Staub. Bei alten Rotbuchen wird die Rinde am Stammfuß gröber und rissig, aber im Gegensatz zu den meisten anderen Baumarten bleibt sie am Hauptstamm bis ins hohe Alter dünn und glatt. Eine Varietät der Rotbuche, die Steinbuche (Fagus sylvatica var. quercoides) bildet grundsätzlich eine dickere, sehr rissige Borke aus.

Blätter: Die Laubblätter sind eiförmig, haben eine kurze Spitze und sind am Grund keilförmig oder abgerundet. Sie sind zwischen 7 und 10 cm lang und bis zu 5 cm breit. Der Blattrand ist wellig-buchtig bis leicht gekerbt und behaart. An den Enden der 6 bis 7 Seitennerven sitzen kurze Zähne. Die Unterseite der Spreite ist locker bis dicht behaart auf den Hauptnerven, den Nervenachseln und auf den Intercostalfeldern. Der Blattstiel ist 1,0 bis 1,5 cm lang und behaart. Die jungen Laubblätter sind frischgrün, bisweilen auch blass, und seidig behaart. Im Sommer sind die Blätter oben glänzend dunkelgrün, unten hell. Im Herbst verfärben sie sich zuerst blassgelb, später orangerot bis rotbraun. Vielfach bleiben die vertrockneten Blätter über den Winter an den Zweigen.

Blüte: Die Rotbuche blüht ab einem Alter von 30 bis 50 Jahren. Sie ist ein einhäusiger (monözischer) Baum; die männlichen und weiblichen Blüten sind also an einem Baum zu finden. Die Blüten-Knospen sind hellbraun, spindelförmig schmal und spitz. Sie sind eingehüllt in 2 bis 3 gegenständig angeordnete, doppelte Hüllblätter, die sich schuppenartig überdecken. Die Blüten erscheinen zeitgleich mit dem Blattaustrieb von April bis Mai. Die Blüten jeweils eines Geschlechtes stehen in Blütenständen zusammen. Die Büschel der männlichen Blüten sind 3 bis 5 cm lang und hängen herab, wobei jede männliche Blüte 4 bis 7 Staubblätter enthält. Aus den aufrecht stehenden weiblichen Blüten ragen jeweils drei rosafarbene Narben.

Früchte/Samen: Die auch als Bucheckern bekannten Früchte sitzen zu zweit in einem Fruchtstand zusammen. Rohe Bucheckern enthalten Trimethylamin (auch Fagin genannt) und sind dadurch leicht giftig. Eine leichte Giftwirkung ist auch darauf zurückzuführen, dass rohe Bucheckern viel Oxalsäure enthalten.

Nach einem trockenen heißen Jahr fällt die Bucheckernernte häufig besonders reichlich aus. Solche Mastjahre gehören zur Überlebensstrategie von Buchen. Würden sie jedes Jahr gleich viele Samen ausbilden, würden Mäuse, Wildschweine und Vögel ihre Population an dieses konstante Nahrungsangebot anpassen.

Heilwirkung & medizinische Nutzung

In der Naturheilkunde nutzt man die Buchenrinde zur Teebereitung. Der Tee wirkt fiebersenkend und antiseptisch und bringt insbesonders bei Erkrankungen der Atemwege Linderung. Die Buche liefert auch Buchenholzteer. Der Teer, der durch Destillation aus dem Holz hergestellt wird, wirkt innerlich eingenommen auswurffördernd, äusserlich angewandt hilft er gegen verschiedene Hauterkrankungen. Dieser Teer wird auch Kreosot genannt. Er soll auch gegen Zahnschmerzen helfen. ACHTUNG: In letzter Zeit werden dem Teer krebserregende Wirkungen nachgesagt. Daher sollte er nur noch homöopathisch angewandt werden.

 

✿ HINWEIS: Besonders in der Pflanzenheilkunde und Homöopathie werden auch Bäumen viele verschiedene Heil- & Anwendungsbereiche zugeschrieben. Auf meinen Seiten werden Bäume und Sträucher in ihren Grundzügen vorgestellt und zugänglich gemacht. Wer sein Wissen um die Heilkräfte der Bäume vertiefen möchte, findet dazu eine Menge gut Literatur.

 

Meine bevorzugte Quelle für medizinisches Pflanzenwissen ist das Buch "Das große Buch der Heilpflanzen" von Apotheker M. Pahlow. In seinem Werk beschreibt Pahlow neben den Anwendungsbereichen von Schul-, Pflanzen- & Volksmedizin auch den Zugang der Homöopathie.

Essbarkeit & Verwendung in der Küche / Survival- & Outdoor Nahrung / Grüne-Smoothie-Tauglichkeit

Blätter: Die essbaren Blätter der Buchen gelten als entzündungshemmend. So wurden sie bei Zahnfleischproblemen zerkaut oder bei Geschwüren als Wundauflagen genutzt. Die jungen Blätter lassen sich roh für Salat oder gekocht in Gemüsegerichten nutze. Als Aroma für Limonaden verwenden, legt man sie über Nacht in das Wasser für die Limonadenbereitung ein. Auch Liköre können mit den Blättern aromatisiert werden. Hierfür werden die Blätter für ca. zwei Wochen in den Likör eingelegt.

Die auffälligen Keimlinge eigenen sich im März und April würzig eingelegt als Antipasti oder fein gehackt und in Salz eingelegt als rohe Zugabe für Salate.

 

Blüten: xxx

 

Früchte: Bucheckern spielten in der Vergangenheit in der menschlichen Ernährung eine Rolle. Trotz der leichten Giftigkeit wurde im 19. Jahrhundert und in den Notzeiten nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Nüssen Öl gepresst, das sowohl beim Kochen als auch als Lampenöl Verwendung fand. Eine Handvoll Bucheckern kann wegen ihrer Inhaltsstoffe (Trimethylamin, auch Fagin genannt, und Blausäure-Glykoside) bereits Unwohlsein hervorrufen.
Werden die Samen geröstet, sind sie zum Verzehr gut geeignet. Man verwendet sie als Beigabe für Salate und als Einlage in Schnaps, geröstet als Kaffeeersatz und gekocht als Gemüsebeigabe. Wie schon erwähnt kann auch Speiseöl aus den Samen gepresst werden.

 

Kambium: Wie bei den meisten Bäumen könnte man auch das innere Rindenkambium nutzen. Dieses wird, von März bis April geerntet, in Streifen geschnitten und wie Nudeln gekocht. In Notzeiten dient(e) es, getrocknet und vermahlen, ebenfalls zum Strecken von Getreidemehlen. BITTE BEACHTE: Die Nutzung von Kambium sollte wirklich nur in NOTZEITEN erfolgen, denn durch die bei der Gewinnung unumgänglichen Rindenverletzung kann dem Baum erheblicher Schaden zugefügt werden (oder dieser gar getötet werden.) Wer sich am Kambium üben möchte, sollte nur bei bereits gefällten Bäumen Kambium entnehmen.

 

Geschmack: Bucheckern erinnern an Mandeln. Buchenkeimlinge erinnern an Kohl. Die Blätter an Sauerampfer.

 

Tauglichkeit für Grüne-Smoothies: Junge Blätter und Keimlinge können auch in größer Menge beigegeben werden und bringen so Grün in den Smoothie :-). Die Früchte (Bucheggen) sollten vor Verwendung geröstet werden (ein paar Stück sind jedoch auch roh kein Problem).

 

✿ HINWEIS: Natürlich gibt es viele andere Verwendungsmöglichkeiten. Auf meiner Seite werden Bäume und Sträucher in ihren Grundzügen vorgestellt und zugänglich gemacht. Rezepte fehlen sogar gänzlich. Für Küchen- und Kochbegeisterte gibt es gute Literatur die auch Bäume küchen- und kochtechnisch behandeln.

 

Wenn du dich für den Bereich Survival-/Notnahrung interessierst, möchte ich dir den Zugang und die Werk von Johannes "Joe" Vogel ans Herz legen. Dieser geht weit über die "normale" Kräuterbestimmung hinaus und zeigt eine Vollversorgung aus der Wildnis auf.

Geschichtliches / Wissenswertes

Bei zahlreichen Ortschaften oder Landesbestandteilen war die Buche Namensgeber. Beispiele sind: Bucheggberg, Schönbuch, Schönenbuch, Buch am Irchel oder Buochs.

Die Buche reagiert äußerst empfindlich auf Erdanschüttungen im Wurzelbereich. Schon eine Anhebung des Bodenniveaus um zehn Zentimeter um den Stamm kann die Buche mittelfristig zum Absterben bringen.

Die bodenverbessernden Eigenschaften des sich relativ langsam zersetzenden Buchenlaubs machte man sich früher in den Bergregionen nutzbar. In diesen Regionen konnten häufig keine Getreidearten angebaut werden, die ausreichend Stroh für die Stallhaltung lieferten. Laubbaumarten waren in diesen Regionen außer der Buche nur selten zu finden. In vielen Regionen war es daher über Jahrhunderte hinweg Brauch, dass Frauen und Kinder das Buchenlaub sammelten, das anschließend als Stallstreu genutzt wurde. Dabei wurden die Wälder regelmäßig „leergefegt“, und Buchenlaub kam sogar in den Handel. So wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts Hunderte von Schiffsladungen vom schweizerischen Brienzersee aus in den Handel gebracht. Die Entfernung des Laubes verhinderte die natürliche Verjüngung, da den Buchenkeimlingen der natürliche Schutz vor den winterlichen Frösten fehlte. Für die Landwirte war sie jedoch eine Notwendigkeit, um ihre Höfe wirtschaftlich zu betreiben. Die Laubsammlung stand ähnlich wie die Eichelmast unter Forstwissenschaftlern schon im frühen 19. Jahrhundert in dem Ruf, die Wälder nachhaltig zu schädigen.

Zu Bündeln gebundene junge Buchenzweige, die noch Blätter trugen, wurden als Winterfutter für das Vieh getrocknet. Besonders Ziegen fraßen diese Zweige gerne. Aber auch im Frühjahr, wenn die Buchen austrieben, wurden Buchenzweige an das Vieh verfüttert, weil damit die Milchleistung gesteigert werden konnte.

Videobeitrag zu "Rotbuche" - Bestimmungshilfe

Quellen

Bäume & Sträucher Online-Lexikon A-Z | Übersicht

Bäume & Sträucher Online-Lexikon A-Z | Übersicht

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