Hänge-Birke - Bestimmen/Erkennen, sammeln und verwenden!

Steckbrief, Bilder & Beschreibung des Baumes/Strauches sowie seiner essbaren Teile und deren Nutzen für Ernährung und Gesundheit.

Die Birken (Betula) bilden eine Pflanzengattung in der Familie der Birkengewächse (Betulaceae). Je nach Autorenauffassung gibt es 35 bis 100 Arten in der Gattung Birken (Betula). Auf dieser Seite wird die, auch bei uns heimische und oft zu findende, "Hänge-Birke" beschrieben. Essbar/essbare Teile!

Informationskategorien zu diesem Baum/Strauch

Baum/Strauch-Kurz-Steckbrief "Hänge-Birke"

Botanischer Name: Betula pendula

Deutscher Name: Hänge-Birke

Gattung: Birken (Betula)

Familie: Birkengewächse (Betulaceae)

Weitere Synonyme/Volksnamen: Sandbirke, Weißbirke, Warzenbirke;

 

Blüten & Blütenfarbe: Einhäusig. Männliche Kätzchen an den Enden älterer Triebe, hängend, frei überwinternd, weibliche Kätzchen an der Spitze junger Kurztriebe.

Hauptblütezeit: März bis Mai;

Narben, später braun.

Früchte/Samen: Nußfrucht ca. 2-3 mm groß, rundum häutig geflügelt.

Fruchtreife/Erntezeit: ab August;

 

Vorkommen: Hauptvorkommen ist in den borealen Nadelmischwäldern Sibiriens und Skandinaviens auf nährstoffarmen, trockenen Sandböden mit Kiefer und Eiche. Die Hänge-Birke kommt in ganz Europa, mit Ausnahme von Nordskandinavien, in Nordamerika und Asien vor.

Verbreitungsschwerpunkt: Die Hängebirke kommt in vielen Waldgesellschaften als Pionierart nach Störungen wie z.B. Sturmschäden oder Kahlschlag vor, wird aber meist rasch durch konkurrenzstärkere Arten verdrängt. Als Pionierbaumart tritt sie bevorzugt bei der Wiederbewaldung offener Vegetationsformen wie Heiden (gemeinsam mit der Waldkiefer) auf, sie ist hier nicht so stark an sauere Standorte gebunden und tritt z.B. regelmäßig gemeinsam mit der Salweide auf Trümmerschutt auf.

 

Wuchsform: Baum;

Wuchshöhe: bis zu 25 Meter;

Typisch: Rinde mit dunklen Wülsten und Rissen. Die dünnen Zweige hängen schleierartig herunter.

Rinde/Borke: Die Rinde ist milchweiß und löst sich in dünnen Querbändernab. Im Alter wird Rinde der Birke scheckig und dickborkig.

Alter: bis ca. 150 Jahre;

 

Sammelgut/essbare Teile: Blätter, Blüten; Rinde/Kambium (sollte aus Sorge um den Baum nicht genutzt werden.)

Energiereiche Teile: xxx

Inhaltsstoffe: Die Blätter (der meisten Birkenarten) enthalten nennenswerte Mengen an Flavonoiden, Saponinen, Gerbstoffen, ätherischen Ölen und Vitamin C. Die Rinde enthält Phytosterine sowie Terpene wie Betulin, Betulinsäure und Lupeol; der Rindensaft u. a. Invertzucker, sodass dieser auch vergoren werden kann.

Prozessierung: kann roh verwendet werden.

 

Verwechslungsgefahr (mit Giftpflanzen): anderen Birkenarten;

Eigenschaft(en) des Holzes

Eigenschaften: Das feine Holz der Birke ist zäh, ziemlich biegsam, elastisch und mässig schwindend. Das Holz der Birke lässt sich gut bearbeiten, drehen, schnitzen, beizen und polieren. Schwer spaltbar.

Merkmale: Poren zerstreut, klein bis mittelgross. Jahrringe nur im Querschnitt erkennbar. Die feinen Markstrahlen im Radialschnitt als kleine Spiegel und die Gefässe als feine Linien sichtbar bei der Birke.

Verwendung: Furnierholz, Sportgeräte, Flugzeugbau, Sperrholzfabrikation, Musikinstrumente, Bürsten- und Pinselstiele und als Industrieholz für Span- und Faserplatten eingesetzt. In Skandinavien von großer Bedeutung für Sperrholzplatten. Birke gebeizt, auch als Imitation für Kirschbaum, Nussbaum und Mahagoni für Stilmöbel.

Bilder "Hänge-Birke" - Bestimmungshilfen

Beschreibung des Baumes/Strauches - Bestimmung

Erscheinungsbild/Eigenschaften: Die Hänge-Birke ist zwischen 15 und 25 Meter hoch. Sie erreicht eine Maximalhöhe von 30 Meter und einen maximalen Stamm-Durchmesser von 0,9 Meter. Das Höchstalter beträgt 150 Jahre. Die Art besitzt eine mehrschichtige Krone. Die Äste stehen spitzwinklig ab, die Zweigenden hängen über. Die Hänge-Birke hat eine weiße Glattrinde. Diese wird von einem Oberflächenperiderm gebildet, das allerdings nicht lebenslang aktiv ist. Es platzt borkig auf und wird dann von einem Tiefenperiderm abgelöst. Die ältesten Schichten der weißen Glattrinde können sich mehr oder minder großflächig abringeln oder in schmalen Streifen ablösen. Die weiße Farbe der Rinde kommt durch eine Einlagerung von Betulin zustande. Dieses reflektiert das Licht vollständig, wodurch die Rinde weiß erscheint. Die weiß gefärbte Rinde wird als Schutzmechanismus gegen Rindenbrand (Rindenschäden durch intensive Sonneneinstrahlung) gedeutet.

Blätter: Die wechselständigen, gestielten Laubblätter sind 4 bis 7 Zentimeter lang und schraubig angeordnet. Sie sind dreieckig bis rautenförmig, mit lang ausgezogener Spitze, ihr Rand ist doppelt gesägt.

Blüte: Die Hänge-Birke ist einhäusig. Weibliche und männliche Blüten sind getrennt in hängenden Kätzchen auf einer Pflanze. Blütezeit ist von April bis Mai.

 

Früchte/Samen: Die Früchte sind etwa 3 Millimeter lange Nüsschen, die dünnhäutig geflügelt sind. Die leichten Früchte werden durch den Wind verbreitet und die Samen keimen bei ausreichend Feuchtigkeit sofort. Samen reifen im August bis September.

Heilwirkung & medizinische Nutzung

In der Pflanzenheilkunde werden Bestandteile der Birke genutzt, vorwiegend Blätter, Knospen und Rinde. Im Frühjahr wird durch Anbohren der Stämme ein Blutungssaft gewonnen, aus dem Haarwasser und Birkenwein hergestellt wird. Aus der Rinde lässt sich Birkenteer herstellen, der als Pix Betulinae gegen Hautkrankheiten und als Juchtenöl zur Behandlung von Leder eingesetzt wird. Bei weiterer Destillation entsteht Birkenpech, welches in früheren Zeiten (seit der Altsteinzeit bis ins Mittelalter) als universell verwendbarer Klebstoff diente.

Die Rinde der Birke enthält als therapeutisch wirksame Bestandteile vor allem Terpene, die besonders wichtige Entzündungshemmer sind und tumorhemmend wie antiviral wirken, wie Betulin, Betulinsäure und Lupeol.

Die blutreinigende und diuretische (harntreibende) Wirkung ist bereits seit Jahrhunderten bekannt. Zudem konnten auch gastroprotektive Wirkungen nachgewiesen werden. Blättertees werden bei Nierengries, Nieren- und Blasensteinen und anderen Nieren-Blasenerkrankungen angewendet und auch eine innerliche Anwendung des Birkensaftes wird beschrieben. Traditionell wird die Birke auch bei Arthritis, Cholesterinüberschuss, Gicht bzw. Hyperurikämie, Haut- und Haarproblemen (Teere aus der Rinde und Birkensaft), Rheuma, Transpiration und Wassersucht (Ödeme) eingesetzt. Auch die Gallensekretion soll gefördert werden. Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Als Kontraindikation gelten Ödeme infolge eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit. Die im Versuch festgestellte hemmende Wirkung auf die Aktivität und die Vermehrung von Lymphozyten könnte die beobachtete Wirkung von Betula pendula bei Autoimmunerkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis zumindest teilweise erklären.

Auch für den in gewissen Gegenden gebräuchlichen Birkensaft konnten leichte entzündungshemmende, schmerzstillende und antimikrobielle Wirkungen beschrieben werden.

 

✿ HINWEIS: Besonders in der Pflanzenheilkunde und Homöopathie werden auch Bäumen viele verschiedene Heil- & Anwendungsbereiche zugeschrieben. Auf meinen Seiten werden Bäume und Sträucher in ihren Grundzügen vorgestellt und zugänglich gemacht. Wer sein Wissen um die Heilkräfte der Bäume vertiefen möchte, findet dazu eine Menge gut Literatur.

 

Meine bevorzugte Quelle für medizinisches Pflanzenwissen ist das Buch "Das große Buch der Heilpflanzen" von Apotheker M. Pahlow. In seinem Werk beschreibt Pahlow neben den Anwendungsbereichen von Schul-, Pflanzen- & Volksmedizin auch den Zugang der Homöopathie.

Essbarkeit & Verwendung in der Küche / Survival- & Outdoor Nahrung / Grüne-Smoothie-Tauglichkeit

Blätter: Die jungen Blätter (April) lassen sich als Grundlage verschiedener Salate, Gemüsegericht oder Kräuterbeigabe auf Käse und Brot verwenden. Durch ihren milden Geschmack eigenen sie sich auf gut für Grüne Smoothies.

 

Blüten: Die im April geernteten männlichen Blüten kann man mitunter als Aroma in Spirituosen, als Brotbeigabe oder auch kandiert einsetzen.

 

Früchte: Junge Früchte eignen sich für Teeaufguss.

 

Die Leitungsbahnen der Birke einhalten einen zuckerhaltigen Saft (von März bis April). Dieser wird durch Anbohren der Rinde bis ins Holz geerntet. Der so gewonnene süßliche Saft ist mineralienreich und eignet sich als Mineraldrink. ACHTUNG: Übermäßige Rindenverletzung schadet den Baum. Ich finde es sinnvoll von dieser Verwendungsart Abstand zu halten. Ebenso ist auch das Kambium essbar. Da es weder einen nennenswerten Nährwert hat, und bei der Gewinnung den Baum schaden nimmt (oder gar getötet wird), sehe ich selbst von dieser Nutzungsmöglichkeit ab.

 

Geschmack: Die Blätter sind neutral. Der Saft schmeckt wässrig-süß, die Blüten mehlartig-streng.

 

Tauglichkeit für Grüne-Smoothies: Besonders Tauglich. Der Saft kann als Flüssigkeit dienen, Blätter und Blüten auch in größere Menge mitgemixt werden.

 

✿ HINWEIS: Natürlich gibt es viele andere Verwendungsmöglichkeiten. Auf meiner Seite werden Bäume und Sträucher in ihren Grundzügen vorgestellt und zugänglich gemacht. Rezepte fehlen sogar gänzlich. Für Küchen- und Kochbegeisterte gibt es gute Literatur die auch Bäume küchen- und kochtechnisch behandeln.

 

Wenn du dich für den Bereich Survival-/Notnahrung interessierst, möchte ich dir den Zugang und die Werk von Johannes "Joe" Vogel ans Herz legen. Dieser geht weit über die "normale" Kräuterbestimmung hinaus und zeigt eine Vollversorgung aus der Wildnis auf.

Geschichtliches / Wissenswertes

Hängebirken sind nicht zum Stockausschlag und zu vegetativer Vermehrung befähigt. Die sehr leichten, flugfähigen Früchte ("Flügelnüsschen") ermöglichen ihr eine rasche generative Vermehrung, pro Blütenkätzchen entwickeln sich ca. 450 Früchte. Die Früchte reifen im Hochsommer und werden im Winter verstreut, sie keimen im darauffolgenden Frühjahr. Birken können bereits im Alter von 5 Jahren Früchte ansetzen.

Die Hänge-Birke hat eine aggressive Technik entwickelt, um sich in der Konkurrenz um das Sonnenlicht gegen andere Baumarten durchzusetzen: Die durch den Korkwarzenbesatz wie Schleifpapier wirkenden schlaff hängenden Zweiglein schleifen bei Windeinwirkung stetig und effektiv regelrechte Schneisen in die Baumkronen dicht benachbart stehender Bäume anderer Arten.

Videobeitrag zu "Hänge-Birke" - Bestimmungshilfe

Quellen

Bäume & Sträucher Online-Lexikon A-Z | Übersicht

Bäume & Sträucher Online-Lexikon A-Z | Übersicht

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